Verträge 1611-1613 Seite 201-250

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Datum der Urkunde: 09.12.1611
Datum der Übersetzung: Dezember 2019
Übersetzer/in: Hans-Karl Wrede, Heinke Arnold

welckere Lant der Clauß Johan „und sine Erwen“ van Dato Angahnde,
tein Jarlanck in sinem rovsamen[1] besitte thor an we=
dinge schall beholden, unnd vor Se Erwenthen 90 M
siner gelegenheit na Jarlick geneten und gebruken
so best he kann,   Wen averst de errechten tein
Jarlanck vorflaten, Alse denne schall der erwenther
Hanß Martenß macht Hebben, Van Jaren tho Jaren
wen it ehme gefellich, de entfangenen 90 M lübsch
dem Clauß Johan thobethalen, Unnd dar Jegen sine
3 Stücke Landeß wedderümme tho sickthonemen,
welckeß der Clauß Johan So guet schall und
will wedder leveren, Alse heit entfangen.
It is averst hirby vorafredet woferne dit sülvige Lant
in einen Kroch worde gefredet, so scholen de Groven tho
gelicker dele vann allem Lande gemaket werden,
Unnd wart Hanß Martenß van sinem Lande *in den Grövenn*
afgekleyet, vorredet sick gelickeß falleß der Clauß
Johan, dat he So vele vann sinem Lande, dem Hanß
Marten will wedderümme vorschaffen und tholeggen,
alse daraf gekleyet.   Sollicheß gelavet der
eine dem Anderen by Ehren truwen und gudem geloven
ahne gefehrde und Argelist veste und unvorbraken tho=
holden  woraver dieser Certen[2] twe eineß ludeß up=
richtet, mit einer Hant geschreven und dorch dat wort
Warheit   upgerichtet , Darvan de Eine
by Clauß Johan und de Ander by Hanß Martenß in
Vorwaringe .  Actum Vedderinge in bysynde
Widderickeß Deetleff, Unnd Hanß Carstenß beide dar=
sülvest,  Am Jare Und dage wo baven gemeldet.

*debitor dd 2ß*
(Z) Eggert Reimerß up dem Westermohr, is schüldich Peter
Carstenß tho Henstede 10 M lübsch, desülvigen up S. Ja=
cobi erstkamende mit redem gelde thobethalen,  By Vor=
pandinge siner gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge



[1] Ruhsam = mnd. rouwesam = ruhig (ohne Ärger) Grimm XIV, 1474.  ruwesam? = reuig. Lübben 312

[2] Certen, Cartes = Es handelt sich hier um ein Chirograph (Charta partita), eine besondere Urkundenart im mittelalterlichen Recht). Auf ein Pergamentblatt wurden zwei identische Fassungen des Vertrages geschrieben und diese mit einem Wort oder einer Buchstabenfolge voneinander getrennt. Dann wurde das Blatt mitten durch die trennende Buchstabenzeile, in diesem Falle Warheit, in gerader, Zickzack- oder Wellenlinie zerschnitten. Jede Partei erhielt ein Exemplar der Urkunde. Die Echtheit der Urkunde konnte im Nachhinein dadurch bewiesen werden, dass bei Aneinanderfügen der beiden Teile die durchschnittenen Buchstaben und die Trennlinie passten.(s. Peter Koblang: Vertrag von Seligenstadt 1188.)


Certen, Cartes, Chirograph, Charta partita

Stichwörter:

Certen, Cartes, Chirograph, Charta partita


eines Inlagerß,  Sekerer Gethüge Johan Reyemerß
in Henstede, Datert denn 9 Decembris Anno 611.

(Z) Haring unnd Anne Russen „ Ehlüde und“ in Henstede, sint schüldich
Johanni Nannen[1] in Lunden 150 M, desülvigen up Mei=
dach erstkümstich mit der geborlichen Renthe thobethalen, und
iß solliche Schult up negest vorschenen Martini angegangen,
ock van der Hure So ert Hollender[2] Hanß Wibers
thor Horst, up Meidach erstkümstich tho donde schüldich, schal
bethalet werden,  By Vorpandinge deß Hollenderß Gesam=
pten Güdere, Ock Vorplichtinge eineß Erlichen Inlagerß,
DarJegen sick den de gedachten debitores vorplichten, dat
se den gemelten eren Hollander wegen deßen wedder=
ümme schadelos holden willen, und sick solliches korten,
laten,  By Vorpandinge erer gesampten Güdere,
Urkuntlich under eren gesampten undergeschrevenen
handen,  Datert den 14 Decembris Anno 1611.

(Z) Hannß Wiberß thor Horst iß schüldig H. Pastoren
tho Hemme Laurentio Lüden[3] – 200 M lübsch, welcke=
re am negest vorflatenen Martini angerentet, und Jar=
lick up solliche tidt mit gebörlicher
Renthe scholen Vorrentet werden. Upsage ein Verndel
Jareß thovorne.   Borge M Johanneß Coroneuß
Pastor Und Harring Russe beide tho Henstede, Laven
*eine vor Alle* alse Sülffschüldige in mangel deß principalen thobe=
thalen, by Vorplichtinge eines Erlichen Inlagerß,
Ock vorpandinge erer Allersitz güdere,  Urkuntlich
under eren Handen und Pitzeren   Datert den 15
Decembris Anno 1611.

(Z) Anno 1611 denn 20 Decembris heft Clauß Küper
binnen Henstede, dem Carsten Schomaker afgehüret, syn
kleine Hues „bewesten Clauß Tingen(?) in Henstede stant“
                   nevenst dem kleinen Hoveken so
bewestenn dem Hüseken ingefredet, welckere Hure



[1] Auf der Grabstele in Lunden errichtet 1588 wird ein Johann Nannen mit dem Todesdatum 5. januario anno 1616 aufgeführt. Ob es sich um den gleichen Nannen handelt kann man nur vermuten.

[2] Holländer waren ursprünglich Leute aus Holland, die sich auf Milchwirtschaft verstanden. Bis ins 20 Jahrhundert wurde ein Meiereipächter als Holländer bezeichnet.

[3] Lauritz Lude war von 1611 bis 1619 Pastor in Hemme. Arends 122.


Holländer.

Stichwörter:

Holländer.


van erstkamenden Meidach an ein Jarlanck schal geholden
werden, Und der Hürer darvor thor Hure geven -----
9 M 8ß, darvan de Helfte up Michaeliß und de an=
der helfte up Meidach wen dat Jar vorflaten, thobe=
thalen,  By Vorpandinge deß Hürerß gesampten Gü=
dere,  Idt is averst vorafredet dat der Vorhürer
datsülvige „Hues“ an Daken[1], wenden[2] Und Böne[3] dar[4] it nodich,
temelicker[5] wise schall unnd will dicht holden, und
So it nodich, ock denn Kachell Avent[6] „laten ume setten“ DarentJegen
vorplichtet sick ock der Hürer, Dat he denn Bohn[7] im
Huse nicht höger will belastigen mit Füringe[8] edder
Sünsten, alse bet up de helffte[9] an de Farste[10], Se=
kere gethügenn

*debitores dd 2ß*
(Z) Joniken Clauß Carsten und Hanß gebröder und up dem
Westermohr wanaftich, Sint eine Vor alle schüldich, Jar=
ren Reimerß Deetleffs Telßen darsülvest – 48 M
up Jacoby erstkümstich in redem gelde thobethalen,  By Vor=
pandinge erer gesampten Güdere.  Ock Vorplichtinge ei=
nes Erlichen Inlagerß, Sekere Gethügen Dyrck Rei=
merß Unnd Tgitten Marx beide in Henstede wanaftich,
Datert denn 21 Decembris Anno 1611.

*debitor dd 2ß*
(Z) Clauß Lübbekenß tho Schwinhusen[11] im Carspel Delve,
iß schüldig dem Jeben Widderich tho Veddering 30 M,
so he in redem gelde entfangen,  Up Michaeliß Ao 612
mit eineß Jareß Renthe thobethalen,  By Vorpandinge
siner gesampten Güdere,  Ock Vorplichtinge eineß
Inlagerß.   Borge Hanß Boye tho Henstede, lavet
alse ein Sülfschüldener, By Vorpandinge siner Güdere
Ock Vorplichtinge eineß Inlagerß,  urkuntlich und
                                                  Datert den 22 Decembi
Sekeren Gethügen alse Jarren              Anno 1611
Johan, und Hanß Roden 2 tho
Henstede



[1] dach (dake) = Dach. Lübben 72.
[2] Wand plr. Wann, Wänne = Hauswand. Mensing V, 523.
[3] Bön = Boden. Mensing I, 483.
   Böhn = Boden nie Erdboden 1. Bodenraum, 2. Decke eines Zimmers. Mensing I, 476 ff.
[4] dar(e) = 3. sofern. Lübben 74
[5] temelik = gebührend. Lübben 401.
[6] kachel-oven = Ofen aus Kacheln. Lübben 166.
[7] Bohn = der Bodenraum
[8] vuringe = 2. Feuerungsmaterial. Lübben 548.
[9] helfte = Hälfte. Lübben 140.
[10] varste = First. Lübben 469.
[11] Ortsteil von 25788 Delve.


*debitor dd 2ß*
(Z) Clauß Grote up dem Westermhor iß schüldich
Clauß Seken thom Kleve –20 M lübsch, de he in
redem gelde entfangen,  Up Martini Ao 1612 sol=
liches mit barem gelde wedderümme mit eineß
Jareß Renthe thobethalen,  By Vorpandinge siner
gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge eineß Inla=
gerß,   Sekere Gethügen Clauß Johan tho Ved=
deringe, Unnd Dyrck Reimerß in Henstede,
Datert denn 22 Decemb. Ao 1611

(Z) Junge Hanß upm Kiwits Mohr[1] heft van Tyes Rei=
merß tho Lunden entfangen 8 Tonne Haveren Koep=
manß guet, up Michaelis Ao 1612 mit redem gelde
thobethalen, alse ein Erbar Raeth(?) densülvigen alse=
denne tho gelde wert Setten,   By Vorpandinge siner
gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge eines Inla=
gerß.   Borge Johan Reimerß in Henstede lavet
alse ein Sülffschüldiger by Vorpandinge siner Güde=
re, Ock Vorplichtinge eines Inlagerß, Urkuntlich
under eren eigenen Undergeschrevenen Handen,
Datert denn 27 Decemb. Anno 1611.

*Koper dd 2ß*
Anno 1612 denn 5 January hefft Clauß
Mürman Van Fedderinge, dem Bare Johan itzunt
thor Heide wanende, wohlbedachtes[2] modeß thom
frien Erfkope vorkofft und upgedragen, Hanß
Beckerß Harcken behüsinge[3] „tho Henstede“ sampt der Hoffstede und
dem frien[4] Sode[5], Alse solliches alleß betimmert[6]
und bethünet[7] steit, ert(-)[8] und nagelfast[9], wo Beckerß
Erven dat sülvige Hues und Hoffstede, bet anhero
frist beseten und gebruket hebben, In Summa vor
150 M lübsch rechtes bedingedeß Kopes, noch
1 M 8ß thorm Wynkope[10]. Van Sodanem Koep=
gelde schal der Koper, up Michaeliß dieses itzigen
Jares bethalen 30 M mit 15ß Renthe, Und den
vordan alle Jar up Michaeliß 20 M mit der



[1] Kywidtsmoer liegt nördlich von 25779 Kleve. Dankwerth-Atlas 1652, Tafel 40.
  Kiewitt alter Flurname in Kleve- Westermoor. Wegemann 91.
[2] wol-bedacht = überlegt, reiflich erwogen. Lübben 591.
[3] be-husinge = Behausung, Wohnung. Lübben 34.
[4] vrî = frei, unabhängig. Lübben 540.
[5] sôt, sodes  = 2. Ziehbrunnen. Lübben 363
[6] be-timmern = mit (hölzernen) Festungswerken umgeben. Lübben 49
[7] be-tunen = bezäunen, mit einem Zaun, hecke versehen. Lübben 49.
[8] erd-fast = erdfest, unbeweglich. Lübben 102.
[9] nagel-vast = nagelfest. Lübben 241.
[10] winkôp = der Wein (das Bier), mit dessen Trunk man einen Vertrag, ein Kaufgeschäft bekräftigt; später durch Geld ersetzt, Handgeld. Lübben 585.


Winkop, Weinverkauf, Weinverkäufer.

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Winkop, Weinverkauf, Weinverkäufer.


gesampten Renthe Van allem gelde erleggen und
bethalen bet der letste Heller bethalet[1], Deß=
wegen denne der Koper thom Underpande settet,
datsülvige gekofte Hues und Hoffe, alse des Vor=
koperß Unvorlatene[2] guet, Unnd ferner sine „anderen“ gesam=
ten Güdere, woferne averst Jennich Termyn
worde vorseten [3] und Jarlich tho rechter tidt nicht
uhtgegeven worde, so schall der gantze Summa
darmit upgesecht syn.   Der Vorkoper averst
vorredet sick, dat gekofte Hues und Höffte,
dem Koper vor alle an und upsprake fry tho leve=
ren, Uht alle sinen redesten und besten Güdere,
It is averst uhtdrücklich vorafredet, woferne Jennig[4]
deell dißenn Handel nicht wolde holden, schall der
sülvige 4 Rickeß Daler in Specie thom Ruwelkope[5]
geven, Darvan  ?Fc Gd? enen „ und dem willigen dele de 3“
                                          scholen entrich=
tet werden. Solliches Alleß by Ehren und Trü=
wen Geloven veste thoholdenn,      Sekere Ge=
thügen Jennß Adeler van der Heide, Frenß Jarre
tho Henstede, Und Johann Tittenß tho Veddering,
Actum Henstede Ut supra.

*Dyrck Reimerß dd 2ß*
(Z) Tho weten sy hirmit mennichlick, nachdeme Dyrck
Reimerß tho Henstede, Syn Lant besüdenn sinem
Huse So he van Deetleff  Roden Erven gekoft, Hir=
bevhor an Johan Schmit Und Marx Möller up 10 Jar=
lanck  vorhuret,  Dat demna der Johan Schmit
sinen andeell van demsülvigen Lande,
sampt der früchte alse it itzunt begaret[6] und beseyet[7]
hüden Dato dem Dyrck Reyemerß wedderümme
averlaten und afgetreden, und darmit solliche Hure
gantzlich loeß geschlagen.  Darvor und deßwegen
denne der Dyrck Reymerß, dem Johan Schmit in
barem gelde entrichtet und vornöget 9 M 8ß,



[1] Redewendung aus der Luther-Bibel übernommen. Matthaeus 5/26; Lukas 12/59.
[2] vorlaten = auflassen, Eigentumsrecht übertragen. Lübben 508.
[3] vorsetich = einer Verbindlichkeit zu zahlen nicht nachkommen. Lübben 521.
[4] jenich (jennich, enich) = irgend ein, -einer. Lübben 165.
[5] ruwe = Schmerz; Schmerz über begangene Fehler. Lübben 312.
   Ruwelkope vermutlich im Sinne von Schmerzensgeld.
[6] düngen. Lübben 109.
[7] säen.


Wormit also der gemelter Johan Schmidt, na in=
holde der Huerschrift van ehme
Und Marx Molleren darup uhtgegeven, gentzlich
loeß gegeven, Und Jarlick umme nene[1] Hure van
Dyrck Reimerß edder sinen Erven deßwegen mer
schall gemanet werden, besündern hirmit gequi=
teret syn, Urkuntlich
In Jegenwert Sekerer Gethügen, alse Tgitten
Marx , Unnd Hanß Haveman 2 tho Henstede,
Datert den January Anno 1612

Anno 1612 denn 16 January is ein Unwedder=
roeplich[2] Handell Unnd Erff Hüre gescheen Und Vollen=
tegen,   Dergestalt, dat der Ersame Jarren Reimer *tho Högenn*,
alse itziger Vorstender Und Buwmeister der Kerken
Henstede, dem ock Ersamen Hinrickeß Deetleff
tho Linden, *wegen des Carspels Henstede*
                  huet dato hefft vorhüret Unnd upgedra=
gen, Alle dat gesampte plochlant Und Wischen in
Linder Veltmarcke belegen, darvan de predigerß tho
Henstede bet anhero ehren Jarlichen Hur Roggen ge=
böret, Und der Kerckenn Henstede thogehörig, Und
wat de Hureß Lüde bet hertho vor Gerechtigheit
Darby genaten Und gehat, sollicheß alleß schall der
Hinrichß Deetleff even so frey geneten Und gebru=
kenn,    Darvor schall und will der genante
Hürer Jarlick den Predigern tho Henstede entrichten
und geven --16 Tonne Roggen Koepmanß guet,
und densülvigen up Martini Jarlick leveren,
Darvan de erste Hure bedaget up erstkamenden
Martini na diesem dato,   Settet demna
der Koper vor sodanen Jarlicken Roggen, thom ge=
wißen Underpande, datsülvige der Kercken gesampte
lant, wellicheß ere Unvorlatene Guet tho ewigen
tiden vor solliche Jarliche Hure schall syn Unde
bliven, Und ferner alle sine itzigen und hernacher



[1] nên = Verneinung, nein (kein). Lübben 245.

[2] unwiderruflich.


Erbpacht von der Kirche.

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Erbpacht von der Kirche.


erlangenden bewech[1] Und Unbewechlichen[2]
Klein und groten güdere, solliche Hure Jarlich dar=
uth tho ersoken[3]. HirenJegen averst will
der erwanther Jarrenn Reimer, dem Hinrickß
Deetleff Solch gesampt Lant, fry leveren,
by Vorpandinge der Kercken Henstede aller erer
gesampten Güdere,   It iß averst vorafre=
det, Woferne der Hinrickß Detlef denn Roggen
nicht allesampt Jarlick konde leveren, so schall
Und will he densülvigen alle wage[4] so dür[5] bethalen
mit barem gelde, alse he thor tidt der Leveringe
gelden[6] kan und gekoft wert, Thor Urkunde
und merer Vorsekeringe sint hiraver twe Gelick=
ludende Certen[7], mit einer Hant geschreven, und dorch
Dat wort Warheit upgerichtet, darvan de eine
bi den Buwmeisteren der Kercken Henstede, Und
de ander by Hinrickß Deetlef in Vorwaringe gena=
men, Geschen binnen Henstede in Jegenwart
der Ehr und Achtsamen Bartholomeuß Jebenß in
Henstede, Und Peter Holsten tho Högen alse Under=
handelerß[8] Lüde hirtho erfordert, Und ferner Har=
men Goetken und Wilhelm Husingk 2 binnen
Henstede alse mit Sekere Menner, Im Jare Und
Dage vor baven.
Tho merer Vorsekeringe averst Sint hiraver thom Winko=
pe[9] vorteret  – 2 M 4 ß, darvan der Vorkoper weg
des Carspelß 12 ß, Und der Koper 24 ß erlecht[10].

Huet Dato den 7 January deß morgenß iß Hinrickß
Deetlef gekamen und berichtet, dat he dißem
Vorgeschrevenen Handell nicht gedachte tho holden, be=
sünderen wolde den Wynkoep bi Sonnenschin bethalen[11]
Unnd darmit deß Handelß Loeß Syn



[1] be-wegelik = beweglich. Lübben 50.
[2] un-bewegelik = unbeweglich. Lübben 429.
[3] er-soken = ersuchen. Lübben 104
[4] al, alle = immer. Lübben 10.
  alle-wege, alwege = immer, jedesmal. Lübben 12
[5] dûr = teuer. Lübben 88.
[6] gelden = bezahlen. Lübben 114.
[7] Es handelt sich hier um einen Chirograph (Charta partita), eine besondere Urkundenart im mittelalterlichen Recht. Auf ein Pergamentblatt wurden zwei identische Fassungen des Vertrages von einer Hand geschrieben und diese mit einem Wort oder einer Buchstabenfolge voneinander getrennt. Dann wurde das Blatt mitten durch die trennende Buchstabenzeile, in diesem Falle Warheit, in gerader, Zickzack- oder Wellenlinie zerschnitten. Jede Partei erhielt ein Exemplar der Urkunde. Die Echtheit der Urkunde konnte im Nachhinein dadurch bewiesen werden, dass bei Aneinanderfügen der beiden Teile die durchschnittenen Buchstaben und die Trennlinie passten.(s. Peter Koblang: Vertrag von Seligenstadt 1188.)
[8] under-handelinge = Unter-, Verhandlung. Lübben 431.
[9] winkôp = der Wein (das Bier), mit dessen Trunk man einen Vertrag, ein Kaufgeschäft bekräftigt; später durch Geld ersetzt, Handgeld. Lübben 585. Vergleiche auch Dithmarscher Landrecht Artikel 64.
[10] er-leggen = ersetzen, bezahlen. Lübben 103.
[11] Bei Sonnenschein bezahlen = vermutlich: der Verhandlungspartner hat nichts zu verbergen. Es könnte auch das alte Bild einer „Sonne der Gerechtigkeit“ gemeint sein. Maleachi 3,20. Wikipedia.


Certen, Chirograph, Charta partita.

Stichwörter:

Certen, Chirograph, Charta partita.


(Z)  Hanß Dorn tho Vedderinge is schüldich Jochim Horst tho       
Renßborch 30 Mark, up Michaeliß dieses itzigen Jares, mit
eineß Jares geborlicher Renthe thobethalen, Borge Han=
ringk Möller in Henstede lavet bi Vorplichtinge eineß
Inlagerß, ock Vorpandinge siner gesampten Güdere. Der
Principal settet wedderümmme tho Pande dem Borgen,
sine gesampten Güdere, Gelickesfalleß bi eineß Inla=
gerß Vorplichtinge, Sekere Gethügen Tgitten Marx
Und Dyrck Reimerß beide in Henstede, datert den 10
January Anno 1612

(Z)  Truwelß Carsten tho Witzwurt in Eiderstede, is schül=
dich dem H. Pastoren tho Henstede M. Johanni Coronaeo[1],
82 Mak vor twe afgekofte Junge Perde, noch 18 Mark ge=
lenet gelt, also dat de gantze Summan is 100 Mark lübsch:
Up Michaelis dieses itzigen Jares in redem gelde soda=
nes alles thobethalen,  By Vorpandinge siner gesamp=
ten Güdere, Ock Vorplichtinge eines Erlichen Inlagers,
Urkuntlich Under siner eigenen Hant Und Mercke[2],
Datert den 10 Monats January Anno 1612

dux partes dd 2 ß
(Z)  Johann Moller thom Delve nevenst siner Dochter
Telße, sint eine vor alle schüldich „Reimer Rüther upm Mohr“ wegen eineß Wever
Touweß[3] 21 Mark 8 ß nevenst aller thogehor + ock eineß Peleß[4] +.
                                                        Darvor scholen de schulde=
nerß twischen S. Johanniß und Jacobi erstkümstig
guden unstraflichen helen[5] Torff[6] an dat Delver Hovet[7]
dem Creditori leveren, Und deßweg. ock den Tollen[8]
afholden[9], By Vorpandinge deßülvigen Touweß[10],
Und ferner erer gesampten anderen Güdere, Ock
Vorplichtinge eines lnlagerß, Sekere „gethügen“ Clauß
Wiltschütte und Peter Peterß 2 tho Henstede
datert denn 12 January Ao 1612.

Peter Vischer itzunt thor Horst wanende, hefft van
dem H. Pastoren tho Henstede in barem gelde entfang.



[1] Johann Coronaeus war von 1604-1641 Pastor in Hennstedt.
[2] merke 2. = Zeichen [Hausmarke]. Lübben 226.
[3] weve-tow(e) = Webergerätschaft, Webstuhl. Lübben 579.
[4] pêl = Tragring auf dem Kopf der Frauen, Kopfbinde als Schmuck und Putz, Brautkranz. Lübben 273; Hoffmann Seite 36; Nordelbingen II, 96ff;   Stierling 136.
[5] hêl = ganz, vollständig. Lübben140.
[6] torf = Torf, Brennmaterial. Lübben 411.
[7] hof = Hof. Lübben 150; hoven = Hofe halten. Lübben 151.
  hovet 2. = Spitze; Spitze, Ecke eines Deiches, Dammes; Brückenkopf. Lübben 151.
  Hof = Delve – alter Flurname,  Katasterflurbuch 1872. Wegemann 77.
[8] tol (?) = Zoll. Lübben 409.
[9] af-holden = im gerichtlichen Sinne: abwehren, eine Beschuldigung von sich weisen. Lübben 5.
[10] touwe = Webstuhl. Lübben 414.


Johannistag: Das Fest des "Johannis der Täufer" ist der 24. Juni.

Jacobstag: St. Jacob, Jacobi, Jacobus) 25.Juli.

Stichwörter:

Johannistag: Das Fest des "Johannis der Täufer" ist der 24. Juni.

Jacobstag: St. Jacob, Jacobi, Jacobus) 25.Juli.


(Z)  120 Mark  lübsch, up Michaeliß erstkümstig „mit 1 Jarß rente“, eddder in
wellichem künftigen Jare hirnacher it up Michaelis
mochte werden gefordert, alle wege mit der gebor=
lichen[1] Und bedageden[2] Renthe binnen Henstede thobethalen
Borg. Peter Hardinges tho Koldenbüttel geseten, Lavet
By Vorpandinge siner gesampten Güdere, Ock Vor=
plichtinge eines Inlagerß.   DarentJegen wil der
Principal diesen Sinen Börg wedderümme schadeloß
holden, By Vorpandinge siner gesampten Jegenwer=
digen Und thokamenden Güdere. Gelickesfalles
by eineß Inlagerß vorplichtinge, Urkuntlich under
erer beidersits Hant, Marck[3] unde Pitzere[4], datert
denn 16 January Anno 1612, tho merer Urkunt
mit des H. Lantschriverß  Aßmuß Moldenitzen
Hant Undergeschreven.     Thoweten, dewile       
ick dißen benomeden borgen nicht gespraken, dat sick
Dennoch de H. Pastor Vorredet, dat eventhür edder scha=
den deßhalven tho stan, Sintemmal der Lantschriver
tho Tonninge dissesülvige Vorschrivinge schole subsciber

debitor dd 2 ß
(Z)  Vitß Peter tho Hollingstede is schüldig Eggert Roden tho
Henstede 15 Mark 14 ß Vor eine afgekoffte Kho, Darvan
up erstkamenden Osteren 6 Mark, Und up Michaeliß[5] darup
folgende dat Averige alleß mit barem gelde thobethalen,
By Vorpandinge siner gesampten Güdere, Ock Vorplich=
tinge eines Inlagerß, Sekere Gethügen, Dyrck Rei=
merß Und Tgitten Marx 2 tho Henstede. datert denn
20 January Anno 1612

(Z)  Hanß Deetleffß tho Henstede hefft hüden Dato Van
Johannes Nannen tho Lunden, up fründtliche bidde entfan=
gen und in redem gelde upgeböret 30 Mark lübsch, up
Meidach[6] Anno 1613 in redem gelde wedderümme tho betha=
len, edder in wellichem künftigen Jahre hernacher it
up der tidt mochte gefordert werden, Darvor borge gewor=
den *Carstens Junge Johan tho Hollingstede*, Lavet by Vorpandinge siner
gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge eines Inlagerß,



[1] ge-borlik = gebührend. Lübben 111.
[2] be-dagen = fällig werden. Lübben 28
[3] merke 2. = Zeichen [Hausmarke]. Lübben 226.
[4] pitzer = Petschaft, Siegel (auf dem Siegelring). Lübben 277.
[5] Michaelis = Michaelistag ist der 29. September zu Ehren des Erzengels Michael.
[6] Maidag = 1. Mai. Mensing III, 574.


Deß Debitoriß broder alse Reimer Und Volckeffs Deet=
lef, laven dem „Carstenß Junge Johan“ wedderüm schadeloes
by Vorpandinge erer gesampten Güdere, Ock bi Vor=
plichtinge eineß Inlagerß, HirentJegen averst
Vorredet sick Hanß Deetleffs, sine brodere edder wer
Sünsten desfalles[1] schaden liden mochte, uht allem schaden
tho benehmen, Gelickesfalles by Vorpandinge siner gesamp=
ten Güdere Jegenwerdig und thokümstich, Nevenst eineß
Inlagerß Vorplichtinge,         Schall und will demna
der debitor vor de Jarliche Hevinge sollicher Dörtich marck,
Van Johannes Nannen Dicke in der Vofften delinge[2] up
beiden siden der Schlüße, 18 Roden[3] 8 Elen[4] 2 quarter,
allewege guet Und ferdig holden. also dat der Johannes
Nanne keinen schaden Van den Dickrichteren moge hebben,
Und wen nun sodane 30 Mark der Johannes Nanne wert
wedder forderen Und entfangen, schal der debitor de er=
melten Dike ock wedderumme so guet leveren, alse he
desülvigen entfangen.   Idt is averst Vorafret
Wofernde dorch Gotteß Unweddere, de Kamme van sol=
lichen angenamener Diken worden heründer storten,
So will Johannes Nanne nabilliger wise in Sodaner
Arbeit dem debitori de Hülpliche Hant leisten,
Urkuntlichk, Under deß debitoris Und samptlichen
Borgen Undergeschrevenen Henden, Datert den
21 January Anno 1612

(Z)  Jarren Johan tho Högen is schüldig sinem broder Jar=
ren Reimeren darsülven - 45 Mark lübsch, desülvigen
up Vastelavent[5] erstkümstich aver ein Jar, mit eines
Jares geborlicher Renthe in barem gelde thobethalen,
By Vorplichtinge eines Inlagerß. Ock Vorpandinge
siner gesampten Güdere, urkuntlich under siner under=
geschrevenen Hant, Datert den 22 January Ao 612.

debitor dd 2 ß.
Suelken Jebe tho Seethe Im Stapelholm, iß schüldig
Jeben Widderich tho Veddering – 120 Mark, desülvigen



[1] val = falls. Lübben 467.
[2] dêlinge = Teilung. Lübben 76.
[3] rôde = Rute. Lübben 304.
  Heider Rute = 16 Fuß = 4,78m. Lundener Rute = 18 Fuß = 5,38m. Waschinski-Böttger, 30.
[4] Hamburger und Holsteiner Elle = 57,3 cm. Waschinski-Böttger 13ff.
[5] vastel-avent = Fastnacht: vor Aschermittwoch; die Zeit von Donnerstag vor Estomihi bis einschl. Dienstag nach Estomihi. Lübben 470.


(Z) Up Michaelis erstkümstig mit eines Jareß geborlicher

Renthe thobethalen.  Darvor börge geworden Deetleff

Carstenß tho Vedderinge, Lavet by Vorpandinge siner gesamp=

ten Güdere.  Der principall averst settet dem Borgen

wedderümme tho pande, alle sine Jegenwerdigen unde tho=

kamenden Güdere,  It is ock tho weten, dat Hanß
Clauß Henneke ock tho Seeth wanaftich, tho diesenn
Hovetsummen schüldig is –7 Daler den Daler tho 33 ß
gerekent,  Sekere Gethügen Dyrk Reimerß und Detlef
Schroder beide tho Henstede wanaftig, datert den 24
                                                        January Ao 1612.

(Z) Gertß Carsten in Henstede iß Schüldig Clauß Vehring[1]
darsülven  80 M lübsch, Herrörende wegen M. Pauli
Brüggemanß[2], Desülvigen up Michaelis dieses itzigen
Jares mit eines Jares geborlicher Renthe, in gudem
ganckbaren gelde thobethalen.  By Vorplichtinge eines
Inlagers. Ock Vorpandinge siner gesampten Gü=
dere.  Urkuntlich under siner undergeschrevenen Hant,
Datert den 24 January Anno 1612.

*Vorkoper dd 2ß*
(Z) Anno 1612. Den 25 January Hefft Hanß Carstens
thom Kleve, mit friem willen van Ove Carstenß in Hen=
stede gekofft, einen Stall So bewesten Oven sinem Huse
steit, Erdt und Nagelfast sampt dem Daken alse it itzunt
getimmert[3] steit, In der Summa vor 32 M lübsch,               
Darvan up erstkamenden Michaelis 12 M ahne Renthe
thobethalen,  De 20 M averst scholen van demsülvigem
Michaelis ahn, in twe Jaren mit der geborlichen Renthe
bethalet werden, alße up Michaeliß anno 613  10 M mit
aller bedageden Renthe, Und den up Michaelis Ao 614 de
averigen 10 M ock mit der Rente.   By Vorpandinge
deßülvigen gekoften Stalles, welckere deß Vorkoperß unvor=
latene Guet schal sin und bliven, bet der letste Heller[4] be=
thalet, und ferner siner anderen gesampten Güdere,
Der Vorkoper wil wedderümme sollichen  Stal dem



[1] Claus Fehring der Ältere war Kirchspielvogt in Hennstedt (1614-1650) gefolgt in diesem Amt von seinem Sohn Claus Fehring der Jüngere (1560-1677).
Ein weiterer Sohn Johann Fehring war Kirchspielvogt in Wesselburen, der vor dem Kayserl. Kriege mit Handelungen fast alle seine Güter durchgebracht. Mit listigen Practiquen blieb er im Amt und hatte etliche 1000 Rthl. unterschlagen. Johann zog nach Bremen wo er auch starb.
[2] Brüggemann, Paul kam 1604 als Diakon nach Hennstedt. Nahm eine Berufung nach Tating an, da man ihn hier in Hennstedt nicht als Pastor gewählt hatte. 1616 wurde er seines Amtes verlustig und wurde Bierbrauer in Hennstedt (Fehse)
[3] ge-timmerte = Bauwerk. Lübben 121.
[4] Heller ist keine gebräuchliche Währung in Norddeutschland. Er ist eine Redewendung und aus der Luther-Bibel übernommen. Matthaeus 5/26; Lukas 12/59.


Koper fry leveren, Gelickesfalles by vorpandinge siner
gesampten Güdere. It Vorredet sick averst der Köper,     
Dat he den Stal twischen dato und Mitfasten erstkümstig
up sine eigene bekostinge will wech breken,  Sekere
Gethügen Johan Vehring[1] Und Hanß Moller beide bin=
nen Henstede wanaftich.  Actum ut Supra.

(Z) Hanß Sirckeß und sin schwager Peter Peterßen in Henstede
sint eine vor alle schüldich 3 tonne  Roggen So se van Boye
Ketelß darsülvest genochaftich entfangen, Sodanen Roggen
up Michaeliß erst kümstig mit barem gelde thobethalen, umme
den pryß alse Boye Ketelß sine Naberß nedden unde baven
den Roggen bet up de tit van dato an tho borge dahn.  Und sol=
liches bi Vorplichtinge eineß Inlagerß, Und Vorpandinge
erer beidersits gesampten Güdere.  Sekere Gethügen
Sivert Peterß tho Henstede Und Hanß Junge vann
Meldorpe[2],   Datert den 26 January Ao 1612.

(Z) Nachdeme Dyrck Reimerß Sohn Hanß tho Henstede,
ein Handwerck tho leren im willenß, So Vorplichtet
sick Dyrck Reimerß derowegen , dat he dem Lehrgelde
welliches der Lehrmeister darvor tho hebbende begeret
de helffte „ uth sinen Güderen“
                  up tho leggen,  Und solliches up deß H. Pasto=
ren velfoldigeß anholdent,   Imfalle nun der Meister
thom amfange wolde etwas up de hant hebben, So will
gemelter Dirck Reimerß tho dero behoeff[3]  5 daler in
barem Gelde strax upleggen,  Und wen dan der Junge
dat Hantwerck tho vollen uhtgeleret, So schall und will
he tho den 5 Daleren So vele entrichten „ So widt sick“
                                                                 dat halve
Lergelt deit erst recken,  Und solliches by vorpandinge
siner gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge eines In=
lagerß,  Urkuntlich under siner eigenen undergeschre=
venen Hant,   Datert de 1 February Ao 1612.



[1] Johann Fehring, ein Sohn des Kirchspielvogts in Hennstedt,  der vor dem Kayserl. Kriege mit Handelungen fast alle seine Güter durchgebracht. Mit listigen Practiquen blieb er im Amt und hatte etliche 1000 Rthl. unterschlagen. Johann zog nach Bremen wo er auch starb. Vieth S. 460ff.
[2] 25704 Meldorf.
[3] behôfte = Bedürfnis. Lübben 34


Lehrvertrag

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Lehrvertrag


(Z) Hannß Rüther upm Ostermohr iß schüldich Reimer
Roden van Meldorpe 12 M lübsch, Desülvigen up Jacobi
erstkümstig mit barem gelde thobethalen, by Vorplichtin=
ge eines Inlagerß, Ock Vorpandinge siner
gesampten Güdere, Sekere Gethügen Sturen Jarre
upm Westermohr, Und Jarren Johan tho Högen,
Datert denn 2 February  Anno 1612.

Carsten Schmit und Jarren Johan beide tho Henstede
hebben van Jacop Carstenß tho Vedderinge 30 schepelß
Saet lant gehüret, up Dorckeß[1] Ort belegen, dat
vor graß darvan dießen Sommer afthomeyen, Jder
schepelßaet umme 20 ß lübsch, Sollck Huergelt up
Martini erstkümstich samplich tho bethalen, ock eine
vor alle,  By Vorplichtinge eines Inlagerß, Ock
Vorpandinge erer allersits gesampten Güdere,
Sekere Gethügen Hanß Detleff vam ostermohr,
und Hanschen Carsten tho Süder Heistede,  Datert
den 2 February Ao 1612.

(Z) Jenß Telße in Henstede hefft van Peter und Carsten
Boyen – Gebrodere ock in Henstede, 17 schelßaet graß
lant gehüret, *up der Langen Schicht belegen*,
                    ider schepelßaet umme[2] 20 ß lübsch,
dat Vorgraß dießen erstfolgenden Sommer darvan
afthomeyen, Up Jacobi erstkamende sollich sampt=
lich Hurgelt in redem gelde thobethalen,  By Vor=
pandinge erer gesampten Güdere, ock Vorplichtinge
eineß Inlagerß, Sekere Gethügen Dyrck Rei=
merß und Tgitten Marx beide in Henstede,
Datert den 6 February Ao 1612.

(Z) Peter Rüter Hanß Rüterß Son upm Ostermohr, is
schüldich Hanß Detleffs darsülvest 50 M lübsch, de=
sülvigen up Michaelis dießes itzigen Jareß mit eineß
Jares gebörender Renthe tho bethalende,  By Vorplichtinge
eines Inlagerß, Ock Vorpandinge siner gesampten Güdere,
Sekere Gethügen



[1] Der Dortjan ?. Katasterflurbuch 1872. Wegemann 91.

[2] umme 4. = Tausch und Preis bezeichnen. Lübben 424ff.


(Z) Clauß Vaget in Hennstede vorplichtet sick, dat he dem
Herrn Pastoren darsülvest M. Johanni Coronaeo, wegen
Hanß Beckeren und siner fruwen Grethen, up Michae=
liß dieses Itzigen Jares – 6 M lübsch mit eines Jares
rente wil entrichten unde bethalen, welckere 6 M
*ungefehr* up negestvorflatenen Martini der Hanß Becker und
Grethe vam H. Pastoren entfangen, * thoweten dat der H. Pastor 
mi wegen Geelß Greten 4 ß vor einen Herrn breef entrichtet*
                                                          Settet dem=
nach vor solliche bethalinge der Clauß Vaget dem Hern
Pastoren tho Pande sine gesampten Güdere Ne=
venst eines Inlagerß Vorplichtinge.  DarentJe=
gen settet der Hanß Beckerß fruwe Grethe dem
Clauß Vaget wederümme thom Underpande, alle ere
itzigen und in künftig erlangenden Güdere, Gelickes=
falles by eineß Inlagerß Vorplichtinge.  Sekere
Gethügen Peter Hake und Widderß Michael beide
thor Horst wanende,  Datert den 8 Februa: Ao 1612.

(Z) Ove Carstenß in Henstede iß schüldig Hanß Car=
stenß darsülvest 8 M lübsch, herkamende weg. H.
Boyen Klaußen, desülvigen up Micharlis erstkümstig
mit eines Jares geborlicher renthe thobethalen,  By
Vorpandinge siner gesampten Güdere,  ock Vorplich=
tinge eines Inlagerß,  Woferne averst diße Schult
in Ove Carstenß Sinem Hueßkope, nicht konde gerekent
und Afgekortet werden, so vorplichtet sick Hanß Car=
stenß hirmit, desülvige sine Schult wedder afthotreden,
Alleß by Ehren und truwen beidersits thoholden,
Urkuntlich under Ove Carstenß undergeschrevenen
hant,  Datert denn 11 February Ao 1612.

Anno 1612 den 11 February  bekennen Johan Schmit und
Jarrke Johan 2 tho Henstede, dat se im Vorherganden 1611
Jare deß ersten Sondages im Advente, van dem H.
Pastoren darsülvest M. Johanne Coronaeo hebben gehüret,
Sinen Kroch de Dorckeßordt genant vor Henstede belegen,
welckere Hure van negest vorschehenem Micharliß an,



twe Jarlanck schall geholden werden, ider Jar umme
60 M Lübsch bedingede Hure, und darbaven eine tonne
guden grütte Haveren[1],   Idt schall averst dat ge=
nante „lant“ solliche twe Jar *na desse Pastoren willen
van einem guden Man de ehme gefellig*
                                           geploget[2] und mit Haveren
geseyet[3] werden,  Dat leste Jar schall it dremall ge=
ploget und woll geegedet[4] werden, dat it van guden
vorstendigen[5] Hueßlüden[6] nicht kann gestraffet werden,
Scholen demna de Hürerer van dem lande tho geneten
hebben, alles wat se mit der Sekel[7] und Lehe[8] darvan
schiden und Meyen konnen, und sünsten nicht gebruket
edder geettet werden.  Dat korte Stro belangen=
de, will der H. Pastor dat Ander Jar so vele vorschaf=
fen, alß he kann tho wege bringen, Iodoch dat de
Hürere datsülvige up ere eigene Unkostinge scholen
uthfören.  De Hure Jarlich wehr weken na
Michaeliß[9] mit barem gelde thobethalen, Setten de
Hurere deßwegen tho Pande, ere gesampten Jegenwer=
digen und thokamenden Gudere, Nevenst eines In=
lagerß Vorplichtinge.  It is averst vorafredet,
woferne de Hurere deß ersten Jareß bedagede Hure
nicht konden uhtgeven, dat se alßdenne vor eines Ja=
reß geborlicher Renthe, desülvigen ein Jar scholen bestan=
de beholden, Und wen den deß letsten Jares Hure be=
daget, alles mit redem gelde in einer Summa bethalen,
by ehren Unde Truwen tho holden, Urkuntlich under
eren eigenen Undergeschrevenen handen,  Datert den
11 February Ao[10]. 1612

(Z) Hinrickß Clauß und Jürgrn Rickerß beide tho Linden,
sint einer vor alle schüldich Eggert Roden tho Henstede
6 ½ M 2 ß, Herkamende wegen 2 tonne Haveren und
eine tonne Garsten, Sollich Gelt up S. Johannis Baptis=
tae[11] in redem gelde thobethalen, By Vorpandinge erer,
gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge eines Inlagers,



[1] Grütze = grob zerkleinerte Getreidekörner.
[2] plogen = pflügen. Lübben 280.
[3] seien = säen. Lübben 342.
[4] egen = eggen. Lübben 92
[5] vorstendich = verständig, vernünftig, klug, geschickt. Lübben 525.
[6] hûs-man = 2. der ein Haus zu besorgen hat (hus-lude). Lübben 154.
[7] Sekel = Sichel. Mensing IV, 466. [Mensing: das Wort ist seit 1755 für Dithm. bezeugt. Das können wir nun u
143 Jahre korrigieren.]
sekele = Sichel. Lübben 343.
[8] lê (lêhe) = größere Sense. Lübben 199.
  Lee = Sense, Sensenmesser. Mensing III, 431.
[9] Michaeliß = Michaelistag ist der 29. September zu Ehren des Erzengels Michael.
[10] Ao mit einem Überstrich=Kontraktionszeichen, bedeutet, dass das Wort Anno verkürzt (kontrahiert) wurde.
[11] Johannistag: Das Fest des "Johannis der Täufer" ist der 24. Juni.


Seker Gethügen Dyrck Reimerß und tgitten Marx
Beide tho Henstede, Dater den 13 Februar. Ao[1]. 1612

(Z) Jacop Adrian in der Schlichten itzunt wanende, is schül=
dich „sinen Schwager“ Sivert Pavelß im Carspel Koldenbüttel[2] up der
Herren Hallige – 46 Mark lübsch, desülvigen up Micha=
elis erstkamende  na dato mit eines Jares geborlicher, [Rente]
thobethalen, edder in wellichem künftigen Jahre herna
it mochte gefordert werden, Unnd solliches by Vorpan=
dinge siner gesampten Jegenwerdigen und thokamenden
Güdere, Sekere Gethügen Hanß Wolt thor
Horst[3] und Clauß Bartelß tho Henstede Datert
                                                 Den 15 February Ao[4] 612

(Z)  Baeke Peterß up der Langenschicht, heft van Rode Hanß
Telßen in Henstede gehüret, Ungefehr 16 Schepelßaet
lant up der Langen Schigt[5] belegen, vor 28 ß bedinget
Hurgelt ider schepelßaet, Vor Und nagraß darvan dießen
erstkümstigen Sommer thogeneten, * up Martini[6] erstkamende
 dat Hürgelt thobethalen*                 By Vorpandinge
 siner gesampten Gudere,, Ock Vorplichtinge eineß Inla=
gerß, Sekere Gethügen Jarren Hanß thom Ber=
kenholm Und Andreaß Marx tho Linden. Datert
denn 16 Febrary Ao 1612

creditor dd 2 ß
(Z)  Hanß Martenß tho Vedderinge, is schüldig Martenß
Tyeß tho Delstede im Carspel Tellingstede – 30 Daler,
den Daler tho 33 Schil: gerekent. Up Gallendach[7] erstka=
mende mit redem gelde ahne Renthe thobethalen. By Vor=
pandinge siner „klein und groten“ gesampten Güdere. Sekere Gethügen
Bartholomeuß Reimerß tho Veddering, Und Albert Bhüman
thor Heide, Datert denn 16 Febrary 1612.

(Z)  Eggert Reimerß upm Westermohr, iß schüldig Detleff
Hernnekenß darsülvest – 21 Mark 11 ß. Up S. Johanniß
Baptistae[8] erstkümstig na dato mit barem gelde thobethalen.
Börgen Jarren Reimer tho Högen lavet by Vorpandinge siner



[1] Ao mit Überstrich = Kontraktionszeichen s. Seite 215
[2] 25840 Koldenbüttel, Nordfriesland.
[3] Horst ist heute ein Ortsteil von 25779 Hennstedt.
[4] Ao = Anno mit Überstrich = Kontraktionszeichen.
[5] Schitz-Koppel ? Wegemann 30.
[6] Martinstag = Festtag des heiligen Martins, 11. November.
[7] Gallentag = Gallustag = St. Gallen Tag = 16. Oktober.
[8] Johannistag: Das Fest des "Johannis der Täufer" ist der 24. Juni.


gesampten Güdere. Der principal settet sinem bör=
gen Wedderümme tho pande, sine gesampten Jegenwerdi=
gen Und thokamenden Güdere, Benevenst eines Inlagers
Vorplichtinge. Sekere Gethügen Hanß Henniges
ein Goltschmitt thor Heide wanende, Und Harmen Goet=
ke tho Henstede. Datert den 16 February Ao 612

(Z)  Harmann Goetke in Henstede,“neven siner fruwen Konneken“
                                                         is schüldig Peterß
Johan tho Linden – 5 M 8 ß, wegen einer Tonne1 Roggen
herrörende. Up Jacobi[1] erstkümstig mit redem gelde tho=
bethalen, By Vorplichtinge eines Inlagerß. Ock vor=
pandinge siner gesampten Güdere. Sekere Gethü=
genn Jarren Reimer tho Högen, Und Eggert Reimerß,
upm Westermohr, Datert den 16 February Ao 612

(Z)  Jarre Johan tho Henstede is schüldig Marx Greten Car=
sten in den Bergen sitzaftig – 17 M und 2 schepel Hop=
pen, herkamende wegen einer afgekofften Starcken.
up Michaeliß[2] erstkümstich mit redem gelde tho bethalen.
By Vorplichtinge eines inlagerß. Ock Vorpandinge
siner gesamptem Güdere. Urkuntlich under siner
undergeschrevenen Handt, Datert den17 February
                                                                        Anno 1612.

debitor dd[3] 2 ß
(Z)  Peter Vischer itzunt thor Horst wanende, iß dem H. Pa=
storen tho Henstede, baven de 100 M so he bereit van
ehme bekamen und Peter Hardinges Borge darvor gewor=
denn, nochmalß hüden dato schüldig geworden 20 M.
desülvigen 20 M. up Michaelis erstkümstig mit eines
halven Jares Renthe thobethalen. Borge sin Vader
Johan Vischer tho Witzwort[4] in Eiderstede wanende, lavet
by Vorpandinge siner gesampten Güdere. Ock Vorplich=
tinge eineß Inlagerß. Der Principal settet sinem
Vader wedderümme tho pande, sine gesampten Güdere,
Gelickesfalles by eines Inlagerß Vorplichtinge. Sekere
Gethügen Haring Russe, Johan Reimerß 2 tho Henstede
und Peter Hake thor Horst, Datert 17 February
                                                                                 Anno 1612



1) Für die Tonne galten die Rendsburger Maße. Dithmarscher Landrecht von 1567, Artikel 75.

[1] Jacobstag: St. Jacob, Jacobi, Jacobus 25.Juli.
[2] Michaelis = Michaelistag ist der 29. September zu Ehren des Erzengels Michael.
[3] de dato = vom heutigen Tag
[4] 25889 Witzwort, Nordfriesland.


debitor dd 2 ß
(Z)  Jenß Peterß thor Schlichten up Jarren[1] Clauß Detlefs
Lande wanaftig, heft van Clauß Fehring in Henstede
gekoft 16 tonne Marsch Haveren, So he thor Uhtsaet[2] benödi=
get, ider tonne umme 29 ß bedingedes Kopeß, Solck
gelt up Michaeliß[3] erstkamende in ganckbarer[4] Münthe
thobethalen, By Vorpandinge siner gesampten Güdere,
Ock vorplichtinge eineß Inlagerß, Sekere Gethügen
Dyrck Reimerß und Tgitten Marx 2 tho Henstede,
Datert denn 18 February Anno 1612

De Erven dd 2 ½ ß
(ZZ)  Nachdemmale Clauß Vagedeß fruwe S. Allke tho Henstede
In erem Kranckenbedde“Jodoch“ by gudem Vorstande, in upge=
richteden „erem“ Testamente, den 19 Marty Ao[5] 1611 datert,
erem Ehman Clauß Vageden belaten, eren andeel weß ehr
van den wolgewunnen Güderen, so se beide in stander Ehe
vorworven gebörede, Und so lange desülvigen in sinem
besitte thobeholden, he befriede sick wedderüme edder nicht,
alse Godt der Here ehme dat levent fristede, Na sinem
Doetlichen afgange averst, scholden in „ ere benömede“ Erven
alß Hanß Clauß Hanß und Clauß gebrödere tho Henstede,
unnd erer Süster Siben tho Weddingstede, Sodane „belatene“Güdere
„hen“ Erven und gedelet werden. Datt sick
Demnach der genanter Clauß Vaget *mit den itzgedachten Erven*  
                                                             huet dato grüntlich
vordragen, und in aller früntschop voreiniget wegen Söllicher
Wolgewunnen Güdere, dergestallt dat der Clauß Vaget,
deßwegenn „Und darvor“ Dießen Erven Alß Carstenß
Johanß Clauß van Weddingstede, Unnd Hanß Clauß
Hanß ”nevenst denn broder Clauß” in Henstede tho gevende thogesecht, - 70 M
lübsch. welckere van Dato an, in Vehr Jaren und gelickme=
tige Termine mit aller bedageden Renthe schölen bethalet
*Und der erste termin up Vastelavent[6] anno ibi 3[7] uhtgeven*
werden,und sollicheß by Vorpandinge siner gesampten
Güdere, Ock Vorplichtinge eineß „erlichen“ Inlagerß, It iß aver
tho weten dat Hanß Clauß, sinen Drüdden Deel van dißem
ingeschrevenen gelde, sine broder Hanßen geschencket
und friewillig Vorehret, Alß dat Hanß de twe dele, Und

 



[1] Jarrenkamp in den Erdbüchern von 1678 und 1775 für die Nachbargemeinde Wiemerstedt nachgewiesen. Wegemann 95.
[2] sât = Saatkorn. Lübben 316.
  saien = säen. Lübben 313.
[3] 29. September
[4] genge, ginge, gange = gangbar, gebräuchlich, von der Münze. Lübben 116
[5] Ao mit Überstrich = Kontraktionszeichen. Das Wort wurde verkürzt(kontrahiert) = Anno.
[6] vastel-avent = Fastnacht: vor Aschermittwoch; die Zeit von Donnerstag vor Estomihi bis einschl. Dienstag nach Estomihi. Lübben 470.
[7] anno ibi tres = dort 3 Jahre [bezahlen]


Carstenß Johanß Clauß wegen siner
fruwen Siben, den drüdden deell, schale hebben und entfan=
gen.   DarentJegen vorplichten sick wedderümme
de Vorgedachten Erven gegen Clauß Vaget, dat se ehme
Sodane wolgewonnene Güdere *wegen dieses Ingescherevenen
tho gesechten geldes*                vor alle an
und thosprake willen fry leveren und warende wesen, Ge=
lickeßfalles by „Vorpandinge“ erer allesits gesampten Güdere.
Solliches alles gereden und laven alle Dele, de eine dem an=
deren bi Ehren Trüwen und gudem Geloven, ahne geferde
und Argelist veste und Unvorbraken thoholden, woraver
dießer Certen[1] twe eines Ludes, mit einer hant geschreven
und dorch dat wort Warheit utheinander geschneden, upge=
richtet, Darvan de eine by den Erven und de ander by
Clauß Vaget in Vorwaringe genahmen.  Actum Hen=
stede In Jegenwart der Achtbaren und Ersamen Clauß
Vering, Hanß Jürgenß tho Henstede, und Clauß Arendeß
tho Bergewürden, Alse Sekere Gethügen und Underhande=
lerß lüde hirtho erfordert, Im Jahre 1612 den 20 Februari.

*debit: dd 2ß*
(Z) Jeß Siverßen und Clauß Hinrickß  „nevenst Hanß Holsten 3“ up dem Wester=
mohr, sint eine vor alle schüldich Eggert Roden tho Hen=
stede 27 M 8 ß,  Solliches alleß up Bartholomey[2]
dießes itzigen Jares, in guder ganckbarer Münthe thobe=
thalen. By Vorpandinge Eher gesampten Güdere.
Ock vorplichtinge eines Erlichen Inlagerß. Sekere
Gethügen Sivert Peterß und Clauß Kuper beide tho
Henstede, Datert den 21 February Anno 1612.

*debitores dd 2 ß*
(Z) Spakerß Johann und Andreaß Marx tho Linden,
hebben van Peter und Carsten Boyen tho Henstede gehü=
ret 29 schepelßaet lant De Hingstkroch[3] genant benorden
der Horst belegen, ider schpelßaet umme 20 ß Hur=
gelt, Dat Vorgraß diesenn anstanden Sommer darvor
afthomeyen, Sollich Hurgelt up Michaelis erst=
kamende mit barem gelde eine Vor alle thobethalen,



[1] Certen = Chirograph (Charta partita), ist eine besondere Urkundenart im mittelalterlichen Recht. Auf ein Pergamentblatt wurden zwei identische Fassungen des Vertrages von einer Hand geschrieben und diese mit einem Wort oder einer Buchstabenfolge voneinander getrennt. Dann wurde das Blatt mitten durch die trennende Buchstabenzeile, in diesem Falle Warheit, in gerader, Zickzack- oder Wellenlinie zerschnitten. Jede Partei erhielt ein Exemplar der Urkunde. Die Echtheit der Urkunde konnte im Nachhinein dadurch bewiesen werden, dass bei Aneinanderfügen der beiden Teile die durchschnittenen Buchstaben und die Trennlinie passten.(s. Peter Koblang: Vertrag von Seligenstadt 1188.)
[2] Bartholomäusnacht = 24. August. M. Heim 48.
[3] Hingstenkrug alter Flurname in Kleve-Westermoor. Wegemann 91


By Vorpandinge erer gesampten Güdere.  Ock vor=
plichtinge eineß Inlagerß,  Jodoch is tho weten
dat Spakerß Johan de twe Dele, und Andreaß By
Marx dat drüdde deell bekumpt, Sekere Gethügen
Harmen Goetke, Willhelm Hüsing tho Henstede
Datert den 23 February Anno 1612.

(ZZ) Nach demmale Peter Klenschmit tho Henstede, van siner
Dochter Wiben, umme eren Moderlicken Andeell „erfgudere“ an Bedde
gewant, Linnenware edder weß it Sünsten Syn mochte
*und er itziger tidt kamen konde, welkeß*
Peter Kleinschmit by sick in Vorwaringe gehatt heft,
bespraken, Alse Bekennet gedachte wibe, dat Se alleß
wat ehr van der Sehligen Moder Gretken Klenschmedeß
kamen konde, Huet dato thor vollen genoge
*van dem Vader Peter Klenschmit*
tho eren Sekerenn Handen hebbe entfangen, also dat
se ehme deßwegen nicht alleine
früntlich hefft thobedancken,  Besünderen quite=
ret ehne „ock“ vor alle widere namaninge[1] sollicher Erfgü=
dere halven, in ewigheit „ vor sick und ere Ervenn“ nicht ferner darumme thofor=
deren. *Alleß bi ehren trüwen und guden Geloven ahne
argelist und gefehrde veste und Unvorbraken thoholden*
            Sekere gethügen Und underhandelerß lüde,
Jarren Reimer van Högen alse Peter Kleinschmits
Handelßman, Unnd Hanß Jürgenß „ in Henstede“ alße wiben
ere bistannt[2], welliche beiden, diße gemelten parte
in der gude vaneinander geholpen, also Dat se beidersits
Consenteret[3] Unnd thofreden,   Urkuntlich
sint hiraver 2 Certen[4] eineß ludeß und dorch dat
wordt Vordrach uhteinander geschneden, darvan de eine
by dem Vader und de ander by der Dochter in Vorwa=
ringe,  Datert denn 23 February Anno 1612.
Sekere diße menner, hebben dißen Handel thor wit
licheit[5] mit eren handen undergeschreven, Jodoch ehnen
und eren Ervenn unscheetlich.[6]

*Vorköper dd 2 ß*
Anno 1612 den 24 February hefft Boye Ketelß
tho Henstede, tho einem bestendigen Erffkope vorkofft
und upgedragen, dem Peter Karstenß darsülvest. Syn



[1] na-maninge = Nachforderung, spätere Klage. Lübben 241.
[2] bi-stân = beistehen. Lübben 55.
  Frauen dürfen ohne männlichen Beistand nichts verhandeln. Dithmarscher Landrecht Artikel 25.
[3] consentio = übereinstimmen.
[4] Certen = Chirograph (Charta partita), ist eine besondere Urkundenart im mittelalterlichen Recht.
[5] witlicheit = -- Erklärung, Bezeugung, Zeugnis. Lübben 589
[6] un-schedelik = was keinen Schaden tut. Lübben 442.


Hueß unnd Hoffte Erdt und Nagelfast, Alle leven=
dige Have, unnd gesampte Ingudere wo datsülvige al=
leß namen hebben mochte, *und itzunt im Huse vor handen is,*
                                          uhtgenamen de vedder kleidere
unnd Wifflichenn ware[1], so siner fruwen gehorich, dartho
Boyenn sine Ganckkleider[2] scholen darbuten beschlaten syn   
Noch 3 Ossenn welckere Clauß Fehring vam ehme
gekofft, sollckeß is darbuten beschlaten.   Ferner
alle dat Lant an acker[3] und wischen[4] wor solliches alleß
belegenn, So woll ock alleß weß der Vorkoper an Bar=
schop[5] by den Lüden hefft, dat der Koper kan upfragen,
Sollicheß alleß schall der gemelter Koper hebben und
Erflich besitten,    Inn der Summa vor 1600 M
lübsch rechteß bestendiges Kopes,   Welckere Koep=
gelt der Koper up Michaeliß dieses itzigen Jareß mit
barem gelde schall und wil bethalen, by Vorpandinge si=
ner gesampten Jegenwerdigen und thokamenden Güdere,
nevenst diesenn gekofften Güderen, welckere des Vorko=
perß unvorlatene Güdere schalen syn und bliven, bet
der letste Heller bethalet, Unnd ferner by vorplich=
tinge eineß Inlagerß.    DarentJegen averst
will der Vorkoper solcke vorkoffte Güdere, dem
Koper vor alle an upsprake frye leveren und waren=
de wesen, Uht alle sinen redesten und besten Gü=
derenn,   Idt is averst uhtdrücklich vorafre=
det, dat der Vorkoper dem Koper dit Hueß, Und  Hof=
te nevenst allen guderen so hirbaven benömet,
twischen Dato und morgen Avent[6], schall aftreden
unnd Inrümen[7], Sekere Gethügen „Dyrck Schomaker“
                                                      Clauß Vaget,
Hanß Haman, Peter Arendeß und Hanß Boye
2 tho Bergewürden,  Actum Hennstede ut supra.
 

Marx Sprek van der Thilen Sinen Spreckß Shon *Alße
ein Mit Erve tho Hinrichß Wiben Güdere*     heft huet
dato wolbedachteß modeß erflick vorkofft und upgedragen,
dem Clauß Marx rhom Delve, van allen Güderen so Hin=
rickeß Wibe tho Henstede bestorven, und eren Erven hinder sick
*Vorkoper dd 2 ß*
*NB Dißer Handell is wedder-up geropen[8] und nagebleven[9]*



[1] Der weibliche Besitz der üblichen Weise einer Ehefrau gehört. ?
[2] Alltagskleidung?
[3] acker = beackertes Land. Lübben 3.
[4] wisch = Wiese. Lübben 587.
[5] Barschaft ? = Barvermögen.
[6] Montag(24.Febr.) und Dienstag(25.Febr.) Der 26. Febr. 1612 war Aschermittwoch.
[7] in-rumen = einräumen; Raum, Platz gewähren. Lübben 160.
[8] up-ropen = widerrufen, rückgängig machen. Lübben 452.
[9] na-bliven = 1. ausbleiben. 2. unterbleiben. 3. übrig bleiben. Lübben 239.


Vorlaten, de der dele, it sy Hueß, wurt Ruhm edder
weß it alleß synn mochte, *Noch 3 Blöcke up der Lövken
deß Burschopps lant beosten, unnd Tgitten Marx bewesten*
     (ZZ)                                        Darvor schall und will der
Koper in alleß geven 30 M lübsch, worfan de 10 M                  
strax bethalet, de anderen 10 M up Michaeliß dieseß
itzigen Jareß, und de letsten 10 M up Michaeliß
Anno 1613 alleß ahne renthe ahn barem gelde thobetha=
len,  By Vorpandinge siner gesampten Güdere, ock ehren
Truwen und guden geloven,    DarentJegen schall und
will der Vorkoper Solliche dre dele vorkoffte  Güdere
vor siner fründe alle an und upsprake will frye leveren
und dem Clauß Marx warende wesen, uht alle sinen
redestenn und besten Güderen,   Wat averst
denn verden deell belanget, is nicht mit in dißen
Koep bescheden, Sünderen daruthbeschlaten,  Gethügen
Gert Schomaker Und Hanß Jürgenß 2 tho Henstede,
Datert den 29 February Anno 1612.

(Z) Johann Hennekenß Und Carsten Schmitt ho Henstede,
hebben eine Vor alle van Jarren Hanß tho Glüsinge
gehüret 7 Rode Mohrß[1] in Glüsinger Mohr up siner
Büthe[2], wor it den Hüreren gefellg tho graven, darvor
der Vorhürer sine bethalinge[3] tho vollen heft bekamen[4],
will demna der gedachter Vorhürer sollichen gehüreden
Mohr, den Hüreren frye leveren, So woll ock einen fasten[5]=
wech den torff uht dem Mohr tho halen, und guet Sette[6]=
lant dartho vorschaffen,  By Vorpandinge siner gesamp=
ten Güdere, Urkuntlich under siner eigenen underge=
schrevenen Hant,  Datert den 1 Marty Ao 1612.

(Z) Jarre Johan tho Henstede iß schüldig Peter Carstens
darsülvest, 15 M lübsch, wegen 5 tonne Geesthave=
ren und 500 Hoppenstaken herrörende, Solliches up
Michaeliß[7] erstkamende in redem gelde thobethalen,  By
Vorpandinge siner gesampten Güdere.  Ock Vorplich=
tinge eines Inlagerß, Urküntlich under siner eigenen
Hanndt.   Datert den 2 Marty Anno 1612.

 



[1] 7 Ruten Moorland. Heider Rute = 4,78m; Lundener Rute = 5,38m. Waschinski Böttger 31.
[2] Büt = Anteil. Lübben I, 630ff.
[3] be-talinge = Bezahlung. Lübben 48.
[4] --- wenn alles bezahlt wurde---
[5] vast(e) = sicher. Lübben 470.
[6] setten = 2. verfestigen. Lübben 346
[7] Michaelis = Michaelistag ist der 29. September zu Ehren des Erzengels Michael


Hopfen, Hopfenstangen.

Stichwörter:

Hopfen, Hopfenstangen.


*Reimer Rüter dd 2 ß*
(Z) Nachdemmale Hinrichs Detleff tho Linden, etzliche
schaden Vann Reimer Rüthern upm
Mohr wanende, hirbevor bekamen, daraver se dan in
Rechtstridt geraden, bet ock entlich im Undergerichte,
luet eines gesprakenen Ordelß[1], dem Hinrichß, Detlef
vor solliche Schaden eine Summa Geldeß thoerkant,
Alß iß Huet dato deßwegen under solliche beiden
Parte[2] einfrundtlich Handell und Vordrach gescheen,
Dergestalt dat der Reimer Rüther, dem Hinrichß
Deetlef einß vor alle „deßwegen“ schall geven und in barem gelde
entrichten 30 M lübsch, darvan strax 2 M 5 ß
bethalet, Dat averige averst alse 27 M 11 ß,
scholen up Michaeliß erstkamende bethalet werden.
Vorfohr[3] Börge geworden, de Ersamen Hanß Rü=
ther und Junge Hanß[4] upm Ostermohr, Laven bi
Vorpandinge rer gesampten Güdere, ock eine  Vor alle
Der Reimer Rüther Averst, Settet sinen Börgen wed=
derümme tho pande, Alle sine itzigen und in künftig
erlangenden Güdere,  Iß derwegen der obgedach=
ten parte alle ere stridt unde wedder wille hirmit
gentzlich upgehaven,   Sekere Gethügenn
Reimer wise thom Berkenholm, Und Mahß Hanß
upm Ostermohr wanende, Datert den 3. Marty
                                                         Anno 1611[5]

(Z) Nachdeme Frenß Grethe in Henstede mit Hinrichß
Detleff tho Linden in Rechtstridt geraden, Also dat
ock Ordell und Sententia[6]  twischen se gespraken *ock
so daneß wat vorborget, und nicht daraver geurdelet* Alß
ist demna dorch gude Undechandeterß lüde, solliche
Stridige Sake, de Sodane parte bether thosamende gehaet
hüet dato thom gründe upgehaven Und in aller güde
Vordragenn, dergestalt dat keiner up den anderen, wegen
sollicher stridigen Sake *in ewicheit nicht*  
                       mehr thospreken, besündern alle
twist und Zanck vorgeven Und Vorgeten,
Belangent Averst der Heren bröke, So beider parte
wegen fallen mochte, mach Jeder datsülvige afhohlen,



[1] or-dêl = Urteil. Lübben 256.
[2] part = 3. Gerichts- oder sonst eine Partei. Lübben 271.
[3] woför = wofür. Mensing V, 679.
[4] Hanß oder Henß
[5] Anno 1612.  Datumsfehlereintrag  des Kirchspielschreibers.
[6] Sententia = nach besten Wissen und Gewissen (geurteilt worden).


war ehnen thoerkant werden wert,  Solliches alleß
geredet Und lavet de eine dem Anderen by Ehren
Trüwen[1] und guden Geloven, ahne Argelist und gefehr=
de weste unnd unvornraken thoholden,  Sekere Ge=
thügenn, Reimer Wise thom Barckenholm
Junge Hanß upm Ostermohr und Hanß Rode van
Vedderinge.  Datert den 3 Marty Ao 1612.

*debitor[2] dd[3] 2 ß*
(Z) Hanß, Clauß Hannß Sohn Hanß uht der
Schlichten, iß schüldich J. Clauß Seken darsülvest 10 M
8 ß, worfohr der Clauß Seke dem Haringk Möller
2 tonne Garsten morgenß dageß deß Hanß Hanßes
halven schall leveren, und dat averige wat de twe Tonne
Garsten nicht bethalen, in barem gelde dem
Hanß Hanßen sülven vorstrecket,  Solliche 10 ½ M
Morgenß dages in barem gelde thobethalen,  By
Vorpandinge siner gesampten Güdere, Ock Vor=
plichtinge eineß Inlagerß  Sekere Gethügenn
Egge Johann tho Süderheistede Unnd
Hanß Detleff tho Linden,  Datert den 4 Marty
                                                          Ao 1612.

Joneken Carsten Und Hanß brodere upm Westermohr
sint eine vor alle schüldig,  Detlef Hennekenß dars
12 M, vor Saet korenn[4],    Up S. Johanniß erstka=
mende mit redem gelde thobethalen,  By Vorplichtin=
ginge eineß Inlagerß, Ock Vorpandinge sampter Güdere,
Thügen Junge Hanß upm Mohr, und Johann
Tgittenß van Veddering,  Datert den 8 Marty
                                                         Ao[5] 612.

(Z) Jonicken Carsten und Hanß gebrödere upm Westermohr
sint eine vor alle schüldich, dem Carsten Reimerß darsülvest,
6 M 3 ß, Up Jacobi erstkamende mit Redem gelde tho
bethalen,  By Vorplichtinge eineß Inlagerß.  Ock
Vorpandinge gesampter Güdere,  Gethügen Junge
Hanß upm Mohr, unnd Johan Tgittenß tho Veddering,
Datert denn 6 Marty  Anno 1612.



[1] Ehrenwort geben. Deutsches Rechtswörterbuch III, 3 c.

[2] Debitor = Schuldner.

[3] dd = de dato = vom Tag der Ausstellung an

[4] sât = Samen von Pflanzen, Saatkorn. Lübben 316.

    korn (koren,korne) = 1. Korn. Lübben185.

[5] Anno mit Überstrich = Kontraktionszeichen. Das Wort wurde verkürzt(kontrahiert).


*No.*[1]
Denn 13 Marty Hebben Johanneß Offe, Johannes Detleviß
Und der Schriver van Weddingstede, ere Corperliche Eide[2] ge=
leistet, mit der Schriverie uprichtig und redelich tho handelen.

(Z) M. Johanneß Coronaeus Pastor tho Henstede iß wegen
Geloftes[3] vor Haring Rüssen schüldig geworden, Clauß
Witten und Marx Witten Vader Und Sönen thor
Wische -141 M, her-rorende, van erem Sone und broderen
Johan Witten tho Rege. Up erstkümstigen Martini
mit eineß Jares Renthe thobethalen, By eines Inla=
gerß Vorplichtinge.  Ock Vorpandinge siner gesampten
Güdere, Urkuntlich undersinem Pitschafte und under=
geschrevenen Hant,  Datert den 13 Marty AO, 612.

*debitor dd 2 ß*
(Z) Reimer Schomaker tho Tellingstede hefft van Gert
Schomakern tho Henstede entfangen 6 Tonne Saethaveren
unstraflich Koren, Ider tonne vor 30 ß lübsch, Up Micha=
eliß erstkümstig in redem gelde ahne Jennige uhtflucht
thobethalen,  By Vorpandinge siner gesampten Güdere
Urkuntlich under siner undergeschrevenen hant ,  Datert
den 28 Marty Ao 1612.

(Z) Johann Offe Carspelfaget tho Henstede iß schüldig
Hanß Witten tho Reinßbüttell im Carspell Weßlingbu=
ren – 6 Rikeß Daler in Specie, Desülvigen up S. Jo=
hanniß Baptiste erstkümstich mit Reder ganckbarer Ri=
keß Münthe thobethalen,  By Vorplichtinge eineß Inla=
gerß, Ock Vorpandinge siner gesampten Güdere
Und Johann Wiberß tho Weßelingburen, Datert den
31 Marty Anno 1612.

*Hürer dd 2 ß*
(Z) Anno 1612 denn 1 Aprilis hefft Evert Simenß im
Nienfelde[4] thom anderen male und upt Nie van Haring Rußen
tho Henstede ein Jarlanck van Meidach erstkamende angan=
de gehüret alße Volget, Erstlich Hueß unnd Hofstede im Nien=
felde van ungefehr 16 schepels Saet,  2. Den westerwarf
unnd Abeln Kroch, ock Klauß Siverß Kroch, Noch Harderß Kroch



[1] No. = Nota = Notiz. Mit einem Überstrich = Kontraktionszeichen. Das Wort wurde verkürzt(kontrahiert).
  Vereidigung der (Kirchspiel)-arnschreiber zum aufrichtigen und ehrlichem Handeln.
[2] Formelhaft; „körperlicher Eid“ = persönlich geleisteter Eid.    https://www.rzuser.uni-heidelberg.de › drw › rper › lich › korperlich  Deutsches Rechtswörterbuch.
[3] gelover = Bürge, Lübben 115.
[4] St. Annen-Neufeld, Amt Eider, Dithmarschen.


3 Alle dat Lant so Haring up der Voder wische heft,
nevenst dem Spetenkroge,  4. Den Kroch by Seke Jo=
hannß Heinen Behüsinge ,  Darvor
schall der Hurer geven vor Ider Schepelßaet dorch  de
banck[1] her 24 ß lübs[2]  Na ad venante[3] der Mate[4].
Unnd belangende de wege So tho dißem Lande gehören
desülvigen schall der Hürer guet holden also dat der Vor=
Hürer deßwegenn kein schaden bekumpt, Dit Lant alleß
schall unnd will der Vor Hürer Dem Hürer frye leveren,
Ferner heft der Hürer vann dem Vorhürer gehandelt,
De Bonen[5] So he thonn Halven dißen Sommer wert
buwenn, unnd schall darvor up Martini erst=
kümstich vor ider Schepelßaet geven eine halve tonne
bonen, *Jodoch schal deß posteß[6] halven, der Hurer van
nu an bet up 14 Dage vor S. Johanniß Baptistae sin be=
denckent hebben* So schall unnd will nu der Hurer dat
gesampte Hurgelt „gelickfalleß“ up Martini erstkümstig in guder
ganckbarer Münte ahn Peter Roden tho Lunden betha=
len,   Dat Kothe Stro bedrepende[7] So der Hurer dit
Jar wert maken, schall by des Vorhürerß Hofstede und
Lande bliven,  Iß demna de vorige Hurschrift hirmit
gentzlich gedödet[8] und upgehaven,   Darup dan nun
der eine dem Anderen by Ehren Trüwen, Ock Vorpan=
dinge erer beidersits gesampten Güdere, ahne geferde
Und argelist „ dit sülvige“ gelavet thoholden,  Urkuntlich under
erer Undergeschrevenen Handen,  Actum Henstede
Anno et die ut supra
Harring Russe mit
Egener Handt 
Evert  Simens min Egen Handt 

*debitor dd 2 ß*
(Z) Peter Lübbekenß Clauß tho Schwinhusen[9], iß schüldich
Hinrick Kock thor Heide 18 M 8 ß vor afgekofte Laken[10]
herrörende, Sollicheß up Michaeliß erstkümstig mit eineß
Jareß Renthe thobethalen, By Vorplichtinge eineß Inlagerß,
Ock Vorpandinge siner gesampten Güdere, Urkuntlich
under siner eigenen handt, Datert den 1 Aprilis
                                                         Ao 1612.

 



[1] dorch de bank = ohne Unterschied, allesamt, ohne Ausnahme. Lübben 26.
[2] lübsch mit Überstrich. Überstrich = Kontraktionszeichen. Das Wort wurde verkürzt(kontrahiert).
[3] ad venante   lat.  = für die Jagd. [Auf der Suche nach]
[4] mate = Maß. Lübben 221.
[5] bone = Bohne. Lübben 60.
[6] ?
[7] betreffend.
[8] ge-doden = töten. Lübben 112. [Eine drastische Darstellung einer Vertragsauflösung?]
[9] Schwienhusen ist nun ein Ortsteil von 25788 Delve. Amt Eider.
[10] laken = Tuch, Zeug, meist aus Wolle gewebt. Lübben 195.


(Z) Nachdeme M. Johannes Coronaeus[1] Pastor tho Henstede Vor Ha=
ringk Russen[2] und sine fruwen gelavet und borge geworden,
erstlich an Johann Roden thor Schlichten up 100 M, welckere
Marx Witte thor      entfangen, Noch dem
Marx Witten und sinem Vader Clauß Witten gelavet, up
Martini erstkumstig mit eineß Jareß Renthe -141 M thobetha. ,
Alße Vorplichten sick diße beiden gedachten Ehlüde, dat
se denn Heren Pastoren wegen Sollicheß gelofteß, willen
Schadeloß holden, Unnd dat sollich Gelt van der Hure So ere
Hollander[3] up Michaeliß erstkümstig ehnen thodoende[4] schül=
dich, alßdenne schall bethalet werden, By Vorpandinge
erer allersits gesampten Gudere,  darbenevenst ock,
dat se Sollicheß up des H. Pastoren erstes erforderent
tho rechte willen bestedigen,  Urkuntlich under erer
beider Undergeschrevenen handen, datert den 8 Aprilis
                                                                   Ao[5] 1612

*Der Pastor dd 2ß*
(Z) Hannß Jacobß tho Bergen heft huet Dato dem Hern Pasto=
renn tho Henstede vorkoft, Dre Vake[6] van sinem Stalle den
he tho Bergen[7] stande heft, schall demna vor dat stücke van
denn Balcken geven – 26 ß. Vor de Stenderen mit den
Knebenden, dat stücke 6 ß. Vor de Uplöperß dat stücke 3 ß.
Vor dat stücke van den Sparen 6 ß.  Jodoch mach
der H. Pastor macht hebben uht dem Stalle tho nehmen,
Solliche Stücke welckere siner Erwürde gefellig.  Der
Vorkoper schall solck vorkoft Holdt, deß Middewekenß in
dißer erstfolgenden Pascheweke[8], an dißeß Landeß Siet
up sine eigene Unkostinge leveren, Jodoch dat alleß gesunt
Ekenn Holt sy,     Wat nun dem Andern Donde
belanget, So der Herr Pastor mehr hebben wolde, uth dem
sülvigen Stalle, vorredetsick der Vorkoper, dat deßfalles
der Pastor woll mit ehme handelen schall,  Und darup
hefft nun der Vorkoper vann dem H. Pastoren huet
dato in barem gelde entfangen, 7 M 2 ß. Dar=
Jegen dit Vorkoffte holt tholeveren, Settet he tho pan=
de alle sine bewech und unbewechlicken Gudere -,
Sekere Menner Haring Russe und Clauß Wiltschütte
2 tho Henstede, Datert den 8 Aprilis Anno 1612.



[1] Coronaeus, Johann war von 1604-1641 Pastor in Hennstedt.
[2] vergleiche Seite 117 und 202.
[3] Holländer waren ursprünglich Leute aus Holland, die sich auf Milchwirtschaft verstanden. Bis ins 20 Jahrhundert wurde ein Meiereipächter als Holländer bezeichnet.
[4] to dôn ?
[5] Ao mit Überstrich = Anno. Überstrich = Kontraktionszeichen. Das Wort wurde verkürzt(kontrahiert).
[6] vak = Wand, Mauer. Fach, Stück, Abteilung der Mauer, des Daches, des Hauses. Lübben 467.
[7] Berg-Ko. = Flurname. Katasterflurbuch von 1872. Wegemann 89.
[8] paschen = Ostern. Lübben 271.


Clauß Johan tho Vedderinge iß Ao 607 in den Hilligen
Pingsten schüldig geworden, Mhor Hebbeken Greten
darsülven —100 M lübsch, de He in barem gelde entfan. ,
Desülvigen in den Hilligen Pingsten Ao 1613 mit eines
Jares geborlicher Renthe thobethalen, edder in wellichem
künftigen Jare hernacher it up de genante tidt mochte
gefordert werden,   Unnd solliches by Vorpandinge
siner gesampten Güdere, Urkuntlich under siner eigenen
Undergeschrevenen hant,  Datert Dingeßdageß[1] in den
hilligen Osterenn Anno 1612.                               [Dienstag der 14.April]

*Vor Hürer dd 2 ß*
(Z) Volckeffs Reimer tho Bergewürden, hefft van Heinen
Johan sinem Schwager, van erstkamenden Meidach[2] angande
twe Jarlangk gehüret, Ver und twintigstehalf schepelß
Saet Lant in Bergewürder Veltmarckede[3] belegen, dat=
sülvige tho Meyenn Und tho grasen,  In der Summa vor
29 M lubsch Jarliche Hure, Unnd schall darbenevenst[4] der
Hürer alle unplicht[5] Van Herrn schattinge[6], Dicke[7] unnd
Damme ock up sine eigene Unkostinge „darnach“ afholden.
Hirvann iß dat erste Jar Hure up Michaeliß erstkumstig
bedaget.  Settet deroweg.[8] der Hurer vor bethalinge der
Jarlichen Hure tho Pande, Sine gesampten Gudere,
Nevenst eines Inlagerß Vorplichtinge. Sekere Ge=
thügen Dyrck Reimerß tho Henstede Und Peter Moller van
der Heide,  Datert denn 22 Aprilis Anno 1612.

(Z) Johann Offe Carspelfaget tho Henstede, is schüldig S. Jacob
Schmitß nagelatenen wedewen[9]thor Heide *Annen Schmitß*, Elfte halven Daler,
maket in itziger münte 24 M 4 ½ ß[10]. Up Michaeliß erst=
kümstig mit redtbarem gelde thobehalen,  By Vorpandinge
siner gesampten Klein Und groten Güdere nene buten[11] be=
scheidenn[12], Urkuntlich uder sinem upgedrückeden Pitzere,
Datert denn 24 Aprilis Anno 1612.



[1] dingesdach = Dienstag. Lübben 78.
[2] Maidag = 1. Mai. Mensing III, 574.
[3] velt-marke (-markede) = Feldgebiet. Lübben 474.  Zu einer Gemarkung (Gemeinde) gehörendes Grundstück.
[4] daneben (ansonsten) zusammengesetzt aus dar und be-neven, -neffens. Lübben 39 und74.
[5] un-plicht = 2. wozu man rechtlich nicht verpflichtet ist; außerordentliche Abgaben. Lübben 440.
[6] schattinge = Schatzung, Geldzahlung. Lübben 321.
[7] dík = Teich und Deich. Lübben 78
[8] DEROWEGEN = deswegen. Grimm II, 1021 ff.
[9] wedewe = Witwe. Lübben 567.
[10] Es war die Zeit der Beginnen Inflation(1611-1622). Bis 1610 war: 1 Rtlr. = 2 M, = 32 ß, = 384 d (Pfennige). Im Jahr 1620 war: 1 Rtlr. = 3 Mark, 4 ß(Schilling). Waschinski I, 30.
[11] buten = 1. tauschen, 2. verteilen, 3. wegnehmen. Lübben 71.
[12] beschelden? = 3. ein Urteil für unrichtig erklären. Lübben43.


Inflation

Stichwörter:

Inflation


(Z) Detlef Reimerß upm Westermhor iß Schüldig Wobbe=
kenn Clauß tho wimerstede  11 M 8 ß, desülvigen up
Michaeliß erstkümstig mit redtbarem gelde thobethalen,
by vorpandinge siner gesampten Güdere. Ock vorplich=
tinge eines Inlagerß, Urkuntlich under siner eigenen
hant,  Datert denn 26 Aprilis Ao 1612.

*debitor dd 2 ß*
Johann Wiberß itzunt thor Horst wanende, heft
van Hanß Boyen tho Henstede gehüret  42 schepelß
Saet lant benorden der Horst up der Langen Schicht
also dat he dat vor unnd nagraß[1] dißen Sommer darvan
schal thogeneten hebben, ider schepelsaet umme 30 ß
bedinget Hurgelt,  Dat Hurgelt schall der
Hurer samptlich bethalen ehr he dat Houw van dem
lande föret, By vorpandinge deßülvigen Houweß
und ferner siner anderen gesampten Gudere, Tügen
Peterß Joganß Reimer tho Süderheistede.  Datert den
                                                           10 May Ao 612.

(Z) Ove Carstenß in Henstede iß schüldig Deetleff
Johanßen Van Vedderinge 18 M 2 ß, up Michaeliß
erstkamende ahne Renthe thobethalen, Jodoch ahne Jenigen
vorwohr[2] thoerleggen[3], By Vorpandinge siner gesampten
Güdere, ock Vorplichtinge eineß Erlichen[4] Inlagerß,

(Z) Peter Rode im Nordtfelde iß Schüldich dem H. Pastoren
tho Hemme[5] – 200 M, Jarlick op S. Johanniß Bap=
tistae ider marck mit einem schilling thovorrenten, Upsage ein
halveß Jahr thovorne,   Borge der H. Pastor tho Henstede
M. Johannes Coronaeus, lavet by Vorpandinge siner gesamp=
ten Güdere, Ock Vorplichtinge eines Inlagerß.  Der
Principal settet sinem Borgen wedderümme tho Pande, sine
gesampten Jegenwerdigen Und thokamenden Güdere,
Gelickesfalles by eines Inlagerß Vorplichtinge.
Urkuntlich Under beider undergeschrevenen Hant.

(Z) Hinrich Junge tho Linden bekennet huet dato, dat he de
schrifte unnd bewise, worna Hanß Beckerß Erven ehme weg.[6]



[1] na-gras = Gras , welches nach der Heuernte wächst. Lübben241.
[2] vorwar = vorwaringe = Beaufsichtigung, Gewährleistung,Sicherheit. Lübben 533 f.
[3] er-leggen = ersetzen, bezahlen. Lübben 103.
[4] er-lichten = entheben, entlasten. Lübben 103.
[5] Lauritz Lude war von 1611-1619 Pastor in Hemme. Arends 122.
[6] weg = wegen.


sineß broderen Hanß Sonnekenß mit schülden vorhaftet
gewesen,  Dem Clauß Murman Van Vedderinge heft
averlaten unnd upgedragen, also dat der Clauß „ Mürman“ na dernsül=
vigen vollen kamene macht und gewalt „schall“ hebben, alleß
tho forderen und up tho manen wat sollich bewyß in sick
holt,    Unnd bekennet ock darneven, Dat der Clauß
Murman, ehme deßwegen genochaftige bethalinge gedahn,
Also dat He Hinrich Junge und sine naerven[1], darmit gentz=
lich vann Hanß Beckerß Erven Güdere scholen afgescheden
sin und bliven, Und in Ewicheit up desülvigen nicht
wider tho spreken hebben,   Sekere Gethügen
Offe Peterß tho Henstede unnd Hanß Deetleff upm
Ostermohr,  Datert denn 28 Juny Anno 1612.

(Z) Johann Hennekenß „tho Henstede“ is up Vorgangenen S. Johanniß
Baptistae schüldig geworden, Peter Roden im Nort=
felde 50 M lübsch, welckere Van der tidt an Vehr Jar=
lanck unupgesecht  scholen bestande bliven, und Jarlick
up S. Johanniß ider marck mit einem schilling Vorrentet
werden, Na Vorlopenen Ver Jaren averst schal der Houvet=
stoel nevenst der bedageden Renthe werden bethalet.
Borgr der H. Pastor tho Henstede M. Johannes Coronaeus,
lavetin mangel des principalen alse ein Sülfschüldiger
thobethalen,  By Vorpandinge siner gesampten Güdere
Ock Vorplichtinge eines Inlagerß.  Der debitor averst
Settet dem H. Pastoren wedderumme tho Pande, sine ge=
sampten itzigen Und thokamenden Klein Und groten Gü=
der,  Gelickesfalles bi eines Inlagerß Vorplichtinge,
Urkuntlich under eren beiden undergeschrevenen Handen,
Datert denn 22 July Anno 1612.

*Vorkoper dd 2 ß*
Nachdeme Hanß Martenß tho Vedderinge, der Cathrine
Hanßen itzunt in Hollant finde, mit etzlichen Schülden vorhaf=
tet, Unnd dan se alhir tho Lande einen broder Sohn heft Hanß
Nickelß genant, welckere in erem afwesende dißer Schult
halven Wollen kamende Volmacht erenthalven heft, Ock
darher Vor ere Schulde na unpartielicher lude Echtinge[2]
etliche lenderie     (Blattausriss)  und wischenn



[1] na-erve = Nacherbe, Erbeserbe. Lübben 240.
[2] echtinge = Legitimation. Lübben 91.


Angenamen, worfan der gemelter Hanß Nickelß
dit folgende na dersülvigen Echtinge[1], dem Johan Roden tho
Vedderinge wedderümme Erf und Eigendomlick Vorkoft Und
thogeschlagen, Alse e(r)stlich up der Korten Reetwische 1 Rode
Vor 5 M, de Naber Seke Johan Reimerß, Noch 11 trede[2]
beosten Anneken Kroge Vor 30 M. It ein 2 Rode up
der Döse[3]  vor 14 M, de Naber widderß Meweß.
Noch 2 Rode up der Wurdt[4] vor 8 M, de Naber Dilffes
Clauß.  Noch wegenn eineß Anschotteß[5] tho Osten
up Attell[6], welckere ein Drier is Unnd up 30 M
Sodane Drier geechtet, De Gelövegerinne Averst nur
alleine up 14 M Gerechticheit darinnen Heft,
welckere 14 M der obgedachter Volmechtiger Hannß
Nickelß dißem Koper gelickesfalleß averleth unnd
updricht[7], Also dat de ganntze Summa dißes Kopes
in Alleß is --- 71 M lübsch,  Darvann schall der
obgemelter Köper Johan Rode, dem Vorkoper up Michaeliß
erstkamende eines Jares Renthe erleggen, Unnd darbe=
nevenst, So ferne it dem Koper gelegen, denn gantzen Ho=
vetsummen up Michaeliß Anno 1613 mit eineß Jares
renthe entrichten unde bethalen, *Sünsten und in Vorblivinge
deß schal sollicher Hovetsumma van erstkamenden
Michaeliß an 3 Jahr unupgesecht bestande bliven,*
                                                    It is Averst uht=
drücklich vorafredet, Woferne der Vorkoper Hanß Nickelß
deß Hanß Martenß fruwen Heinen ere bestedinge up dit=
sülvige Lant, dem Koper nicht könde vorschaffen, Dat alß
denne he schall vorplichtet sin, genochsamb[8] frye börgenn
deßwegenn tho stellen,   Ferner iß bescheden, Soferne der
DarJegenn nun , wen solliche bestedigung edder frieborgen
genochsamb geleistet, So Settet wedderümme der Koper vor
de bethalinge thom gewißen underpande, siner gesampten
Jegenwerdigen Und thokamenden Güdere,  Sekere
Gethügenn M. Johannes Coronaeus Pastor tho Henstede
Tittenn Marx, Und Harringk Ruße, Darsülvest wanend,
Datert denn 26 July 1612.

Johan Schmit in Henstede iß schüldich dem H. Pastoren
darsülvest  100 M lübsch, desülvigen up 4 „wekenn“ na Michaeliß
Anno 1613 mit eineß Jares Renthe tho bethalen, By Vor=
pandinge siner gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge eineß
Inlagerß (Seitenausriß) urkuntlich und siner eigenen hant
                                      Datert den 27 Augusti Ao 1612.



[1] echtinge = Legitimation. Lübben 91.
[2] trede = Schritt. Lübben 416.
[3] Döös ein Flurname in 25779 Fedderingen. Katasterflurbuch 1872. Wegemann 79.
[4] Wurth = Flurname in 25779 Fedderingen. Katasterflurbuch 1872. Wegemann 80.
[5] Anschott = Flurname in 25779 Fedderingen. Katasterflurbuch 1872. Wegemann 79.
  an-schot = Anschuss, was an Land das Wasser absetzt. Lübben 19.
[6] Addel = Flurname in 25779 Fedderingen. Karte von 1783. Wegemann 79.
[7] up-dragen, -dregen = 1. ein Besitztum einem anderen übergeben. Lübben 449.
[8] ge- nôchsam = hinreichend. Lübben 116.


(Z) Johan Schmit ho Henstede, heft huet dato Vann dem H.
Pastoren M. Johanne Coronaeo darsülvest,  twe Jarlanck
bedinget und gehüret, den Dorckeßordt besüden Henstede
belegen, Also dat der Hürer dit erste Jar densülvigen schall
mit Roggen beseyen, Unnd darvor Ver weken na Michaeliß
Anno 613 – 100 M lübsch und 2 tonne guden Grütteha=
veren geven und entrichten.  Dat Ander „Hur“Jar belan=
gende, schall der Hürer densülvigen Kroch 3 mahl plögen[1]
und gantz woll egeden[2] darmit de quitzen[3] daruth kamen,
unnd darup upt VorJar mit Haveren beseyen,  De Miß[4]
Averst So alßedenne dartho nodich syn werdt, schall und
will der H. Pastor vorschaffen.  Vor Solcke
deß anderen Jares genetinge, schall nun der Hurer
vehr wekenn na Michaeliß anno 1614 thor Hure g(e)ven
60 M lübsch unnd 1 tonne guden Grütte Haveren,
It is averst Vor Afredet, dat der Hurer inwendich[5] den beiden
huriaren[6] nicht mehr uht dem gehüreden Kroge schall hebben,
alße wat he mit der Lehe und Sekell in tidt der Arnde[7]
kann meyen Unde schniden,   Wie denne ock der Hürer
umme den sülvigen Kroch de fredinge[8] schall holden, So lange
he ehnenn in der Hure heft,  Jodoch soferne nie Holt
dartho moste gekoft werden, Solliches schall und will der
H. Pastor afholden # Urkuntlich Under deß Hüreren
„und Vorhurenen“ undergeschrevenen Handen, Datert den 27 Augusti
                                                                         Anno 1612
#Dat Hürgelt beide Jahre tho rechter tidt
thobethalen, settet der Hürer deßwegen thom
gewißen Underpande, alle sine itzigen Und in künftig
erlangenden güdere, Nevenst eines Inlagerß Vorplichtinge.

(Z) Widderickeß Deetleff tho Vedderinge, iß schüldig Maeß
Karsten darsülvest 30 M lübsch, desülvigen up Michae=
lis Anno 1613 in redem gelde Jodoch ahne Renthe unde
schaden thobethalen, by Vorpandinge siner gesamptenn
Güdere nene buten bescheiden[9],   Urkuntlich under
siner eigenen Undergeschrevenen Hant,
Datert denn 6 Octobris Anno 1612.



[1] plogen = pflügen. Lübben 280.
[2] egede = Egge, egeden = eggen. Lübben 92.
[3] Quitsch und Quitz = Quecke; (Triticum repens L.). Mensing IV, 18.
Agriopyrum repens  P.B. = Gemeine Quecke. Marzell I, 145.
QUITZE  = Vogelbeerbaum. Grimm XIII, 2384.
[4] Miss = 1. Mist, tierischer Dünger. Mensing III, 658 ff.
miste = Düngergrube. Lübben 232.
[5] inwendich = innerhalb. Lübben 162
[6] Hurjahre
[7] Arn, Arnd = Ernte. Mensing I, 175.  arne = Ernte. Lübben 23.
[8] vredinge = Zaun, Hecke, Knick. Lübben 539.
[9] be-schêden, -scheiden = 2. ausschneiden, trennen (buten bescheden). Lübben 43
  nene buten bescheiden = ohne etwas von dem Besitz abzutrennen.


debitor dd 2 ß
(Z)  Hannß Deetleff van Wimerstede heft dem Hanß
Hennekenß tho Henstede in redem gelde vorstrekkket Unde
Behandiget 15 M lübsch, Desülvigen Anno 1613 up Micha=
elis mit eines Jares renthe thobethalen, By vorpandinge
siner gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge eineß Inla=
gerß, Borge Junge Johanß Reimer tho Wimerstede,
lavet by Vorpandinge siner gesampten Güdere, ock by Vor=
plichtinge eines Inlagerß, Urkundtlich under eren eige=
nen Handen, Datert den 14 Octobris  Ao 1612

(Z)  Peterß Carsten thom Nienkroge[1] Im Carspel Oldenwürden
heft van dem Heren Pastoren tho Henstede Magist(er) Johanne
Coronaeo entfangen 100 M lüb: in ganckbarer Sülvermünthe,
Jarlick up Michaelis ider marck mit 1 ß. thovorrenthen, Loeß=
kündigung[2] ein Verndeel Jarß thovorne, Pant, Sine itzigen
Unnd hernamalß erlangenden Güdere, Benevenst eines
Inlagerß Vorplichtinge, Urkuntlich Under siner undergeschreve=
nen Hant Unnd gewanlichen Pietzschaftes Vorsegelinge, Datert
den 16 Octobris Anno 1612. Unnd dewile der obgedachter
Debitor  sülven personlich alhir nicht kan erschinen, Alß will der H.
Pastor wegen der wedder bethalinge den schriver wegen alleß scha=
denß entfrienn  quod sua subscriptione[3] attestatur. M. Joh. Coronaeus

(Z) Selige Clauß Groten Erven thor Nienwische[4] im Carspel Olden=
würden, Alße Hinrich Grote der Eldeste Sohn, nevenst sinen anderen
Süsteren Und broderen, hebben Van Selige Deetleff
Roden Erven tho Henstede in guder Sülvermünte entfangen
300 M lübsch. Jarlich up Michaelis Ider marck mit einem ß.
thovorrenten, De Loeßkündigung ein Veerdeel Jarß thovorene,
Pant, ere itzigen und in künftig belangenden Güdere, bene=
venst eines Inlagerß Vorplichtinge . It laven averst
der Erven Vormünder alße Pawelß Henning tho Meldorp
Und Clauß Jacobß Dreweß tho Hogenwürden[5], den Houvetsum=
men[6] nevenst allem Upgewanten Unkosten uht erer Müntlingen
Güder thobethalen, Nevenst eineß Inlagerß Vorplichtinge,
So woll wegen Hinrick Groten alße Vor der Vormünder personen,
Urkuntlich Under eren upgedrückeden Pitzeren Und undergeschrevenen
Handen, Datert den 16 Octobris Anno 1612



[1] Neuenkrug in der Gemeinde 25797 Wöhrden, Dithmarschen. Auf der Karte von J. Meyer (1559) westlich von Heide.
[2] lose-kundinge =  Loskündigung(Wiedereinlösung, Wiederkauf) geliehener oder versetzter Gegenstände, Rente ect. Lübben 210.
[3] qvod sua subscriptione attestatur lat. = wegen seiner Unterschrift  bescheinigt (der Pastor) – und seine Billigung bescheinigt.
[4] Neuenwisch = Ortsteil von 25797 Wöhrden. Nördlich von Oldenworden(Wöhrden). Danckwerth + Mejer, Atlas, 1652.
[5] Hochwöhrden Ortsteil von 25797 Wöhrden. Süd-östlich gelegen. Hohenwordn – Danckwerth-Atlas, 1652.
[6] Hovet-gelt = Kapital. Lübben 151.


Frundtliche lewe Swager[1],  so hebbe wy Juw  schrivent
entfangenn  Dat uth vorstann/  Dat gy unnß mit 300 M
Vor streekenn woldenn / Deß wy Juw Doen höchlich
Bedancken/ Unnd wy willens hertlich gerne wedderumme
Vor denen Unde gy/ schriven/ Dat gy de ver schrivinge dar
woldenn macken laten/ sy wy woll  tho fredenn wa..      (tz?)
önerst denn Under teken annlangenn iß/ were gy Unnß
Dem breff schicken wille/ wy ern Under teken Unnd
vor segelem  wolde/ wy frundtlich begeren dat idt inn dem
breff  Vor fatet werde/ Dat Deloßkundinge ein halff Jar
oder ein Verendell Jareß tho ?üren geschen mochte/
wenn Juw sölckeß nicht lenger gelevede tho stan
laten/ Unnd der Kinder Vörmunder ernaene iß Paleß
Henninck  - unleserlich – tho moldorft Unnd Clauß Jacopes Dreß
tho högen wördenn Unnd enen Söhen fr.. hinderick gro..e/
Bidde frundtlich Dat wy dat gelde (durchgestrichen) möchten mit
Denn festen bekamen/ Disse tho kamen weeken ersteß
Jareß hir mit Gadebefahlen nien wische
           Denn baden[2] geven   4 ß   lauß groten Danke

 



[1] swager = ein jeder der mit einem andern durch Verheiratung verbunden ist. Lübben 393.

[2] bode, bade = Bote, Gerichtsbote, Dienstbote. Lübben 59.


Ann denn erbaren

Vor nehmen Johannes[1]

Magistri Pastoren tho

Henstede minen leven

Swager kann Dest breff

tho egenn handen

f   h  g

 

Peterß Carstenn thom Nien kroge heft in ganckborer münte von M. Joh.

entfangen 100 M mit ein Verendell  ? loßkundigung

Selige Clauß Grote ? hebbe entfangen 300 M  van S Detleff Roden ?

mit eines Verendelß ? loßkundigung

 



[1] Johann Coronaeus, 1604-1641 Pastor in Hennstedt.


(ZZ)  Anno 1612 denn 9 Octobris Sint wegenn
Fürstlicher gnaden, deß Clauß Timmen tho
Henstede Güdere de men Vor ogen gesehn,
nademmale er denn Clauß Wiltschütten entlivet,
Inventeret Unnd beschreven worden, alß folget.

Erstlich Hueß Unnd Hoffte sampt einem Nien
ebuwetenn Stalle,
Im Crutzhuse[1] sint gewesenn twe upgemakede Bedde
„So der fruwen Gretenn scholen gehören.“
Eine Voetbencke[2] Unnd eine kleine Lade[3], Jodoch
secht de Fruwe, Dat erer
Derne de Lade gehore,
Inn der Voetbencke is gewesenn eine grote Witte
Fedder[4], etzliche olde Schartekenn[5] unnd twe olde
                                                                 Naschkenn[6],
Ferner in gemeltem[7] Krützhuse 3 Tinnen Kannen
4 quartere, 1 tinnen Vatt und 1 kleine Schaleken,
Itenn 1 grotenn Und kleinen olden Stoel
Sampt Ungefehr 5 edder 6 Stoelküßen,
Noch twe Dischke under dem einen einen
Dichtenn[8] Voeth, Unnd under dem anderen eine Schuflade,

Folgendeß  im Pesell sint gewesen 2 bedde, ider bedde
mit 2 Hovetküßen, berichtet averst de fruwe, dat
ehr sodane beide bedde gehören
Noch iß ein bedde „darsülvest“ Vorhanden gewesen, wellicheß dem
olden beacksamigen manne Clauß Johan Vam Kleve
den der Deder bi sick im Huse „in Kost“ heft , „schole“ gehöret,



[1] Quergebäude, ins Kreuz gearbeitetes
[2] votbank ? = Fußbank. Lübben 538.
[3] lade = Kiste, Schrein. Lübben 195.
[4] veder = 3. Schreibfeder. Lübben 472.
[5] schart = Risse, Spalte. Lübben 321.
[6] nasch = Behälter, Schachtel, Dose um Briefe und Kleinodien hineinzulegen. Lübben.242.
[7] melen = melden, erwähnt?
[8] dicht = stark. Lübben.


Der fruwen,      ein Benckpoel[1] mit aller thobehör tho westen
                          im sülvigen pesell, wellicher der fruwen gehörig.
Der fruwen,  Eine Lübsche Kiste so de fruwe berichtet de ehr gehörig,
                      ock ere Kleidere an ein Und Anderß darinnen heft,

Dem Deder[2],    Eine Eikene kleine Voetlade[3]
                        Worinnen nichteß gewesen,

der fruwen Und   Eine Fürenn[4] Voetlade So der fruwen Und eren mit Er=
eren mit Erven,    ven wegen erer Moder gehörig,

                        Eine Füren  Voetkiste welckere der fruwen
                        gehörich, worinnen nichteß anderß alße etzliche
                                                                         berenn[5] gewesen

                       Eine Schlachbencke[6] mit dren Schuren[7] an der Süder
                       Sytt, in dern einen Schure heft der gemelter Clauß
                      Johann dat sine Vorschlaten[8], in dem Anderen heft
                      Jochim Horst Vann Renßborch einen Sticken[9] Flaßes[10],
                      Dat drüdde Schur averst iß leddig[11] gewesen,
der fruwen,    Ein Hornschap up der Süderen Sytt, worinnen
                      etzliche Linnenware, de der fruwen  Sampt dem
                      Schappe gehörich,
                      Ein older Stoell, Iten ein tinnen Vatt, ock
                      etzliche Elenn „Füren“ W.tten (?)

                       Ferner up der Delenn im Huse „gewesen“ ein Schap mit
                      twenn Dören, so de fruwe berichtet Se datsülvige
                      vann Bump Kannen hebben thor settinge[12], wor hoch
                      averst weet Se nicht,
                     Eine Bruwpanne[13] so de fruwe berichtet dat se de=
                     sülvigenn vann Haring Rußen thor Hure hebben,



[1] bank-pol = Bankkissen. Lübben 26.
[2] deder = Täter. Lübben75.  (Claus Tim)
[3] vot-lade = schmale, lange niedrige Truhe, worauf man ins Bett steigt? Truhe mit Füßen?. Lübben 538.
[4] Füren = Föhre, Kiefer. Mensing II, 271.
[5] Ber = Beeren oder Birne. Mensing I, 292/3.
[6] slachte-bank = Schlachtbank. Lübben 351.
[7] schûr = Schutz, Schirm, Abteilung, Fach. Lübben 339.
[8] verschlossen. slot = Schloss; festes Gewahrsein. Lübben 355.
[9] sticke = ein Maß für Zeug (Elle?), Flachs, Fisch etc. Mensing 380.
[10] Flachs, Leinen.
[11] leddigen = leer machen. Lübben 200.
[12] settinge = 2. Versetzung, Verpfändung. Lübben 347.
[13] bruw = das Brau. Lübben 68. Braupfanne.


Ver Küfenn[1] darvan de Dre in dat gesampte Guet
gehürenn, Dat eine averst hebben se Van Hannß Wid=
derick in der Settinge. 

Ein olt Brandewinß Ketell So in Dat gesampte
Guet gehörich,

Eine Lübsche Kiste darinnen etzlich Witbroet Und botter
gewesenn, welckeß alleß Vorkoplich is[2],

Item ein groet Küfenn Roeff (?)A

Noch sinnt Vorhandenn gewesen Ungefehr, 10 Bertunnen,
Itenn so iß Vann Soß Tonnen Garsten frisch ber
Vorhandenn gewesen,

Noch sint Vorhanden gewesen 5 tonne Garsten,
so itzunt in der Weke[3] gewesenn,

Veer Rinderen borste[4] Unnd ein Schroet Speckeß[5],
Eine boen ledder[6]

Up dem Hueßböne[7] gewesen ein weinig Roggen im Stro,
Einn Lamfell edder dre,
Eine Klein olt Wurtvatt,
Etzlichenn Hardenn Torff,

Inn einer gravenn tonne Boeckweiten Grütte
So Jochim Horst vann Renßborch gehörich, 

Up dem Crutzhueßböne etzliche tunnen Roggen
welckere dem Jochim Horst Vann Renßborch gehörig,



[1] kuffe, küffe = (?) kleines schlechtes Haus. Lübben 192. Kufe = II.).. ein oben offenes, stehendes Gefäß von Holz, unten etwas breiter und weiter als oben. Ein Bottich oder Zuber. Grimm XI, 2531 ff.
[2] Verkauft werden kann
[A] rôf = 1. Deckel über Wanne, Kufe, Wagen. Lübben 305.
[3] In de weeke legen = Zum Aufweichen in einen Bottich legen, z. B. Gerste zum Keimen. Mensing V, 567.
[4] borste = Bürste. Lübben 63.
[5] schrôt = Stück, Seite Speck. Lübben 336.
[6] Bodenleiter.
[7] Dachboden? bone = Boden. Lübben 60


Thom letstenn is in dem Nie gebuweten Stalle gewe=
senn, ein Wage mit einer ledderen,
Ein olt Backtroch,
Twe olde KuvennA,
Unnd 5 Vake Harden torff in den Utstellnigen
*noch Ungefehr 2 Vöder Vadem Holt,*
So sint ock 2 olde perde Vorhanden, alse de fruwe bekennet,
#
„ Nochmalß iß de fruwe erschenen Unnde berichtet dat
noch 2 stücke Geestlandeß up Hensteder Veltmarcke belegen
Vorhanden, welcke beide ungefehr ein Drier thosamende is

Twe olde Schwine, Noch 2 junge Schwine, Vann
                                               diesem Sömmer
Twe Hantketele Und einenn Grapenn[1],     datert den
                                                          10. Octobris Ao  612.
                                                   Jodoch gehöret it alleß
                                                  Under dem ersten dato.
So beholt sick ock de fruwe befohr, woferne wor inß künf=
tige ehr etwaß in gedanken queme, dat se Solliches
wil apenbaren, Unnd deßwegen Ungefehret syn.“

Actum Henstede Inn Jegenwart der Achtbaren
Unnd Ersamen Sekeren Gethügen, Johanneß
Offenn Carspelsschriver Unnd Hannnß Jürgenß
inwaner darsülvest, Am Jare und Dage wo baven

(Z)  Hinrickß Clauß Unnd sine Huesfruwe Grethe tho Linden, heb=
ben van  S. Carsten Gelßen Erven tho Henstede in barem gelde
entfangen 30 M lübsch, Up *14 Dage na* Michaelis Anno 1613 mit
eines Jareß Renthe thobethalen an redem gelde. Börgen Jür=
gen Henninges Und Peterß Johan tho Linden, Laven by Vorpandinge
erer Güder, Ock vorplichtinge eines Inlagerß, De Principalen
averst Setten den Borgen wedderümme tho pande eren Gesampten
Güder, Ock eineß Inlagerß Vorplichtinge, Urkuntlich eren un=
dergeschreven Handen, Datert den 22 Octobris Ao 1612.



[A] Kufe = II.).. ein oben offenes, stehendes Gefäß von Holz, unten etwas breiter und weiter als oben. Ein Bottich oder Zuber. Grimm XI, 2531 ff.

[1] grapen = Topf. Lübben


*debitor dd 2ß*
(Z)  Johan Witte tho Glüsing iß wegen hinderstelliger Renthe,
unnd ock etzliches entfangenen Geldes schüldig, den Carsten
Gelßen Erven – 16 M 4 ß, desülvigen 14 Dage na
Michaeliß erstkümstig, mit eineß Jareß Renthe thobetha=
len. By Vorplichtinge eines  Inlagerß, Ock by Vor
pandinge siner gesampten Güdere. Sekerer Gethügen,
Geert Schomaker tho Henstede, Deetleffß Carsten thom
Delve Unnd Thinß Vidt tho Glüsinge, Datert den
                                        4.Novembris Anno 1612.

debitor dd 2 ß.
(Z) Thinß Vidt tho Glüsinge alße Hanß Holsten Erve,
iß wegen hinderstelliger Renthe  schüldich, den Carsten
Gelßen Erven tho Henstede – 16 M 2 ß, Solliches
14 Dage na erstkümstigen Michaeliß mit eineß Jareß
Renthe thobethalen. By Vorpandinge siner gesamp=
ten Güdere, Ock by Vorplichtinge eineß Inlagerß
Sekere Gethügen Gerdt Schomaker tho Henstede, Dilffs
Carstenn thom Delve, Und Johan Witte tho Glüsinge,
Datert den 4 Novembris Anno 1612. 

(Z)  Nachdem Hannß Rode tho Henstede, mit Grethen Gotßklincken
ein „Megdeken“ in Unehren gethüget, welckere nun umme dißen
Martini tweJar ereß olderß is, Unnd de gedachte Greteke
bethertho datsülvige sülven by sick gehatt “ vul und holden[1]” So heffft sick
derowegenn der gedachter Hanß Rode mit der gemelten Gre=
tenn, Umme de betherige Vodinge[2] Unnd erholdinge sollicheß
Kindeß, huet Dato grüntlich Vordragen, Also dat
De errechte Grethe deß ersten
Jares Vodinge dem Hanß Rodenn gantz nagegeven[3], Und
ehnen darmit Vorehret[4] hebben wil,  Vor deß anderen Jareß
Vodinge averst, schall Unnd will der Hanß Rode ehr geven
12 M lübsch, Darvan de ersten 4 M schölen bethalet
werden, twischen Winachten Und Vastelavendt erstkümstich,
4 M up S. Johanniß Baptistae darup folgende, Unnd den
de lesten 4 M up denn darup erstfolgenden Martini,
Unnd woferne de mergemelte Grethe nu henforder



[1] vul = völlig, gänzlich. holden = festhalten. Lübben 544,147.
[2] vodinge = 1. Erhaltung, 2. Nahrung. Lübben 488.
[3] na-geven = erlassen. Lübben 241.
[4] vorêren = zu Ehren bringen, schenken. Lübben 499.


dat megedeken lenger wert bi sick beholden, schölen und willen
se undereinander sick wider darumme vordragen,
edder averst So der Vader Hanß „Rode“ datsülvige sülvest tho sick
neme „warde“ up dißen itzigen Martini, heft se ehnen umme
nene widere födinge „mer“ thobespreken, alße wat dißen vorge=
weten 12 M anlanget.  Deß thor warheit Ur=
kunde, Unnd dat * beide dele Jegenwerdich und*
                             solliches de eine dem Anderen, by trüwen
unnd gudem Geloven thoholdenn vorspraken, Sint vor
Sekere Gethügen hir an Unnd Aver gewesen[1], de Ehr und
Achtsamen Clauß Dreweßen tho Henstede, und Deetleff
Johanßen van Vedderinge,  Actum Henstede den 6 No=
                                                         vembris Ao 612.

(Z) Reimer Ditterß Erven upm Westermohr, hebben Van
Meweß Wiberß thom Delve vann negest vorflatenen
Michaeliß Angahnde 4 Jarlanck, alle dat
Lant „So he“ in dem Brecken[2] benedden dem Kleve liggende hefft,
afgehuret[3], Ider Jar umme 18 Daler, den Daler
tho 33 ß[4] gerekent, darvan de erste Hure up
Michaeliß Ao 1613 bedaget, belangent de fre=
dinge[5] umme dat Lant, schölen de Hürer desülvigen
holdenn, Unnd scholen ock dariegen dat Lant Meyen
unnd grasen,  Wat Vor unplicht[7] up datsülvige
Lannt fallet, sollicheß schall der Vorhürer holden,
Dat Hurgelt Jarlick up Michaeliß thobethalen, setten
de Hürere tho Pande, ere gesampten Güdere,
Urkuntlich heft Clauß Reimerß alße de Oldeste Erve
dißes mit eigener hant undergeschrevenn.
Datert den 11 Novemb. Ao 1612.

*debitor dd ß*
(Z) Pawell Schomaker tho Henstede, iß schül=
dig S. Karsten Gelßen Erven darsülvest, 20 M lübsch
desülvigen up Martini Ao 1613 mit eines Jares Renthe
thobethalen, By Vorplichtinge eineß Inlagerß, Ockbi
Vorpandinge siner gesampten Güdere. Borg Johan



[1] an unde over wesen = Zeugen, die bei einer Handlung, Beglaubigung etc. anwesend gewesen sind. Lübben 15.
[2] Brecke = Flurname im Erdbuch von 1678 und im Katasterflurbuch von 1872. Wegemann 89.
[3] af-huren = abheuern, abmieten [mieten]. Lübben 6.
[4] Am 28. Februar 1610 wurde  der Taler in Schl.-Holst.  bereits von 33 ß auf 37 ß 4 Pfennige gesetzt. Es zeichnete sich eine Inflation ab, die hier noch nicht bemerkt wurde. Waschinski I, 30.
[5] vredinge = Zaun, Hecke. Lübben 539.

[7] unplicht = 2. wozu man rechtlich nicht verpflichtet ist. Lübben 440.


Reimerß tho Henstede, lavet bi Vorplichtinge eines In=
lagerß, Ockbi Vorpandinge siner gesampten Güdere.
Urkuntlich under erer beider Undergeschrevenen handen,
Datert denn 14 Novembris Anno 1612.

*debitor dd 2 ß*
(Z) Meweß Karsten tho Linden iß schüldich, Deetleffß
Johann Wiberß tho Hollingstede – 5 ½ M, desülvigen
up Jacobi Ao[1] 1613 ahne Renthe thobethalen, By Vor=
pandinge siner Güdere, Sekere Gethügen Borge
Carstenn Wiberß tho Hollingstede, lavet by Vorpandinge
siner gesampten Gudere, Sekere Gethügen Johan
Widderß Geell Und Hannß Wolt beide thor Horst,
Actum Henstede denn 15. Novemb: Ao 1612.

(Z) Haringk Rußen Anne tho Henstede Hefft van erem
Hollender Hannß Wiberß thor Horst, ein Hingstperdt
gekofft vor – 80 M, desülvigen up erstkümstigen Mei=
dach aver ein Jar mit eines Jares Renthe thobethalen,
by Vorpandinge erer gesampten Güdere, Woferne averst
dat sülvige pert dürer geachtet worde, datsülvige schall
Hannß Wiberßern edder dem getruwen[2] breves[3] Hebber[4] thom
besten Synn, Urkuntlich under erer eigenen Undergeschrenen
Hant,  Datert denn 17 Novemb: Anno 1612.

(Z) Haring Russe und sine hueßfruwe  Anne tho Henstede,
sint schüldich dem H. Pastoren darsülvest M. Johanni Coro=
naeo, wegen upgelechten Lantschattes[5], Tholage[6] deß 100 pen=
ninges[7], Unnd Herrn bröcke[8], Ock eineß Delß in entfange=
nem reden gelde, 252 Marck lübb:    Sollicheß up
Michaeliß Ao 1613 mit eineß Jares Renthe van des Hol=
landerß Hure thor Horst, in gudem ganckbaren Gelde wed=
derümme thobethalen,  By Vorpandinge erer beidersits
anderen gesampten Güdere, Ockby Vorplichtinge eineß
erlichen Inlagerß, So woll ock dat diße Vorschrivinge up
deß H. Pastoren ersteß erforderent[9], Gerichtlich schall werden
bestediget, Urkuntlich under erer Beidersits undergeschre=
venen handen.  Datert den 19 Novenb: Anno 1612.



[1] Ao mit einem Überstrich = Kontraktionszeichen, bedeutet, dass das Wort Anno verkürzt (kontrahiert) wurde.
[2] ge-truwen = trauen, glauben; vertrauen. Lübben 121.
[3] bref = alles geschriebene; Urkunde, Attest. Lübben 65.
[4] hebber = Inhaber, Besitzer. Lübben 138.
[5] lant-schat = Hufensteuer. Lübben 197.
[6] to-lage, laginge = 1. Steuer. 2. Anschuldigung. Lübben 409.
[7] pennigen = verkaufen. pennink = Geldstück; Geld überhaupt; Geldsumme. Lübben 273.
[8] heren-broke = Brüche, die an die Herrschaft zu entrichten ist. Lübben 142. Vergleiche auch Dithm. Landrecht von 1567, Artic: 113.
[9] er-vorderen = fordern; durch Forderungen (Klage) beitreiben. Lübben 106


*debitor dd 2 ß*     
(Z) Hannß Rode tho Henstede iß schüldich, Johan Roden tho
Vedderinge 20 M, desülvigen up Michaeliß erstkümstich in
redem gelde, Jodoch ane Renthe thobethalen,  By Vorplichtinge
eineß Inlagerß, Unnd by Vorpandinge siner gesampten Güdere
Urkuntlich under siner eigenen Undergeschreven Hant.
Datert den 25 Novemb: Ao 1612.

(Z) M. Johannes Coronaeus Pastor tho Henstede unnd Clauß Vering
darsülvest, hebben van Johanne Nannen tho Lunden eine Vor Alle
gehüret den Sidel Dick[1] van 44 schepelsaet, belegen in Hensteder
Marsch, welckere Hure van negest vorflatenen Martini an 6 Jar=
lanck schall geholden werden, Ider schepelßaet tho 22 ß Jarliche
Hure wen it wert gemeyet, tho Etten[2] edder tho grasen dat sche=
pelßaet Jarlick umme 19 ß hure. Noch hebben se eine
vor alle gehüret denn Mohrkroch in sülviger Veltmarcke belegen,
debsülvigen gantzen Kroch umme 14 M Jarliche Hure. #
# De fredinge umme datsülvige  lant, So woll ock Andere
Unplichten[3] de dar up fallen mochten, schall der Vorfürer inwendig[4]
denn HurJarrenn sülven Afholden. #
Dat gesampte Huergelt Jarrlick up Martini thobethalen,
Setten de Hürere tho pande eine vor alle, ere gesampten Gü=
dere, Benevenst eineß Inlagers vorplichtinge. Urkunt=
lich under erer beider  Undergeschrevenen henden / Datert
                                                      den 27 Novemb: Anno 1612.

(Z) Hannß Boye, Unnd syne Halff broder Peter
Boye tho Henstede, Hebbenn eine Vor alle Vann Johannes
Nannen tho Lunden gehüret, syn Lant up den Eckeren in
Hensteder Veltmarcke belegen, ungefehr 36 Schepelßaet,
Ider schepelsaet alle Jar umme 23 ß 6 d. de ersten
3 Jahre tho plögen, *und mit Haveren thobeseyenn*
                                 dat verde Jar tho Meyen
unnd de letsten 3 Jahre tho grasen,   Welckere Hure
vann negestvorflatenen Martini an, Soven Jarlanck
schall geholden werden, Unnd ock Jarlick up Martini
dat Hurgelt thobethalen, bi Vorpandinge erer gesamp=
ten Gudere, Ock Vorplichtinge eineß Inlagerß,
Schall demna der Vorhürer inwendich der Hurtidt, dat   



[1] si(d)el-dik = Flügeldeich [in den Marschländern, ein Deich, der von einem neuen Hauptdeiche nach einem andern zurück gezogen wird]. Lübben 348.
[2] eten = essen, fressen – das Essen die Mahlzeit. Lübben 107.
[3] un-plicht = 2. wozu man rechtlich nicht verpflichtet ist; außerordentliche Abgaben. Lübben 440.
[4] in-wendich = innerhalb. Lübben 162.


Lant in nottrufftiger[1] ferdinge[2] ock sunsten alle unplicht
so darup fallen mochte darvan holden und uhtreden[3]  Urkunt=
lich under eren eigenen undergeschrevenen Handen,
Datert den 2 Decemb: Anno 612.

(Z) Peter Haken Shonn Sivert thor Horst, hefft vann Hanß
Jürgenß tho Henstede vor 5 Tonne Haveren reetbar gelt
entfangen, den sülven schal he Fürst. Gnaden up ersteß erforde=
rent an Koepmanß gudt, ann Schepes bort leveren,
By Vorpandinge siner gesampten Güdere, Sekere Gethüge
Peter Klover tho Henstede,  Datert den 6 Decemb: Ao 1612

(Z) Haringk Russe tho Henstede iß schüldig geworden
dem H Pastoren tho Hemme Laurentio Luden[4] - 200 M
lübsch hovetstoels[5], desülvigen up Martini[6] Anno 1613
mit eineß Jareß gebörlicher Renthe und in gudem ganckba=
ren Sülvergelde thobethalen,  Edder in welckerem künfti=
gen Jare hernacher it mochte gefördert werden, Jodoch dat
de upsage de eine dem Anderen up S. Johannis Baptistae[7]
thovorne anmelde/.  Borge der H. Pastor tho Henstede
M. Johannes Coronaeus, lavet alße ein Sülfschuldener, bi
vorplichtinge  eines Inlagerß, Und Vorpandinge siner ge=
sampten Güdere/.  Der Principal Settet wedder=
ümme thom Underpande, sine gesampten Itzigen und In=
künfftich erlangenden Güdere, Benevenst eines Inla=
gerß Vorplichtinge/  Urkuntlich under eren upge=
drückeden Pitzeren[8] und undergeschrevenen Handen.
Datert denn 7 Decembris Anno 1612.

Anno 1612 den 7 Monatß Decembris, Hebben sick
M. Johannes Coronaeus[9] Pastor tho Henstede, unnd Haring
Russe nevenst siner Ehlichen Huesfruwen Annen darsül=
vest, wegenn aller wolgewunnen Gudere So M. Johanneß
Cronaeus mit siner Hueßfruwen Telßen, in werendem[10]? ehe=
stande erworven, Und hernamalß erwarven[11] mochte,
So woll ock allen Buwlichen[12] Güdere wo desüvigen namen



[1] nôt-troft = was man notwendig tun muss. Lübben 251.
[2] Zaun, Hecke. Lübben
[3] ût-rêden = bereiten, zahlen. Lübben 461.
[4] Lauritz Lude war von 1611 bis 1619 Pastor in Hemme. Siehe auch Seite 184.
[5] hovet-stôl = Capital. Lübben 152.
[6] Martinstag ist der 11. November.
[7] Johannes der Täufer, Gedenktag 24. Juni.
[8] pitzer = Petschaft, Siegel(ring). Lübben 277.
[9] Johannes Coronaeus wurde als Sohn des Predigers, Martin Nicolaus Crone (Coronaeus),  1576 vermutlich in Hütten geboren. Johannes hat ca. 1612 als 36 jähriger die 24 Jahre ältere Witwe Telse Rode (1552 – 1628) geheiratet. Sie und ihre Verwandten, die Russe, Nannen und Rodes, haben vermutlich alle Regenten als Vorfahren gehabt. Unser Pastor hat damit in die reichsten und vornehmsten Familien Dithmarschens geheiratet. Zur Hochzeit war Telse 60 alt und hatte das Durchschnittsalter der damaligen Zeit um ca. 10 Jahre überschritten. Da die Verwandten vermutlich Angst um ihr Erbe hatten, wurde dieser Vertrag im Einvernehmen aller Beteiligten verfasst.  Vergleiche Fehse.
[10] ?werdich = würdig, angesehen. Lübben 573
[11] ?er-waren = wahr machen, bewahrheiten. Lübben106.
[12] buwelich, buwlik = 2. im baulichem Stande befindlich. Lübben 72


hebben mochten, In aller güde grünt – und fründtlich vordragen,
derogestalt wenn deß H. Magistri Hueßfruwe Telße mit
dode worde afgahn *bi deß Magistri levende*
                                Dat alßedenne Haring und Anne
up solliche wolgewunnen Güdere edder Buwlicke Güdere
nichteß Hebben thospreken so wyt sick ere andell erstrecket,
Besündern dem gemelten Hern M. Johanni Coronaeo *und sine Erven* desulvi=
gen Kraft dieso „willen“ averlaten und upgedragen Hebben,
Unnd offt woll mergemelter M. Johannes Coronaeus
Sick Jegenn S. Deetleff Roden Erven int gemene vorschre=
venn, welliche Vorschrivinge by Johannem Nannen in vor=
waringe, dat siner Erwurde *de 3 Koye[1] so se gehatt*
up siner Huesfruwen Telßen doetlichen fall, wolle
wedderümme heruther geven,  So hebben doch alß gemeldet,
Haring und Anna Russen, deme tho Jegen, Sick hirmit
uhtgeschlatenn, und sodane eren andell der anne even so woll
*siner Erwürde averlaten unde upgedragen*
           Sollicheß Alleß gereden unde laven se eine
vor alle by Ehrenn Truwen Und guden Geloven veste
Unnd Unvorbraken thoholdenn, Urkuntlich under eren
eigenen undergeschreven Handen, Actum ut supra.  

*debitor dd 2 ß*
(Z) Krußen Clauß tho Vedderinge iß schüldich Deetleff
Karstenß darsülvest 20 M, desülvigen up Matthei=
dach[2] Ao 1613 wedderumme thobethalen, Hirvor aver=
leth der Debitor dem Creditori ein stücke Geestlandeß den
Osterende darvan, *belegen twischen Dem breden wege
und Strengwege Und Karvet mit Holaverß Carsten*
                               als dat der Creditor 2 Schöve, und
der debitor den drudden Schorf van der itz darin geseyeden
frucht up erstkümstigen Sommer schall entfangen, So
ferne averst up ermelten Dach Matthei sollich gelt nicht
werde wedderümme entrichtet, So schall der Creditor
Sollich Lant Antasten unnd de Erdinge aver gebruken,
Unnd So vordan wen de Erdinge vorflaten, wedderume
upt nie antasten Und alse sin egen guet gebruken, beth
so lange he synn gelt wedderümme entfangen,
Urkuntlich Under siner Undergeschrevenen hant ,  Datert
denn 20 Decembris Ao 1612.



[1] ko (Plur. .. koie) = Kuh (Kühe). Lübben 180.
  Der Wert der 3 Kühe war ca. 30-40 Mark  = 15 - 20 Reichstaler. Waschinski I.

[2] Martinstag = 11. November.


            Extractus  Protocolli

 (Z)  Anno 1612 denn 7 Monatz Decembris, hebben sick M.
ohannes Coronaeus Pastor tho Henstede, Unnd Haring
Russe nevenst siner Ehlichen Huesfruwen Annen darsülvest,
wegen aller Wolgewunnen Güdere, So genanter M.
Johan: Coron: mit siner Huesfruwen Telßen, in weren=
dem Ehestande erworven und hernamalß erwarven
mochten, So woll ock aller Buwlichen Güdere[1] wo desül=
vigen namen hebben mochten, In aller güde früntlich
vordragen, Dergestalt, wen des Hern Magistri
Hueßfruwe Telße mit dode worde afgahn, by des Mag:
levende, Dat alßdenn Haring und Anne up solliche
wolgewunnen Güdere edder Buwlichhe Güdere nichtes
hebben tho spreken, so wytt sick ere andehl darvan erstecket,
Besündern denn gemelten H. M. Johanni Coronaeo und sinen
Erven, desülvigen krafft dieseß willen averlaten und
eigendomlich upgedragen hebben.  Wat belanget
de dre Koye so gemelte Telße in angefangener Ehe tho
siner Erwürde gebracht, hebben gedachte Harring Unde
Anne eren Andeell darvan, dem H. Magistro even so woll
mit averlaten unde upgedragen, Urkuntlich under
erenn eigenenn Undergeschrevenen handen.
Dißen Vordrach heft Telße Nannen[2] huet Dato den 9
May Anno 1613 mit bewilliget
                                                                    Jürgenn Nieman,
Johannes Nanne
     egen handt.   

 



[1] Gebäude ?

[2] siehe nächste Seite.


(Z)  Nachdeme Johannes Nanne unde Haringk
Russe, nevenst erenn Ehefruwen Telßen und
Annen alße S. Deetleff Roden hinderlatene Erven,
Erem gelefften H. Schwager M. Johanni Coronaeo
Pastoren tho Henstede, hebben averlaten und Erflich
upgedragen, alle de wolgewunnen Güdere so woll
ock Buwgudere und Ingedompte nichteß buten be=
scheiden, *De siner Erwurde in sthander Ehe mit siner
gelovten Huesfruwen Telßen erworven Unde hermalß
erlangen mochten, Wo dat bewiß den 7 decemb: Ao 612 datert*
                Delß vorplichtet sick der H. Pastor
wedderümme Jegen gemelte *utewiset sine Schwegere alße*
                                              S. Deetleff Roden
Erven, Dat he up siner Ehefruwen Telßen erenn
doetlichen afganck, Ahne Jennigen vorwohr, hinder
edder Rechtganck *up erstes erforderennt*
                            will wedderumme heruth geven,
Alles wat gemelte Telße an erem live gedra=
genn Wullen edder Linnen Kleider, Sammit, Siden,
Sülver unde Golt, Dartho ere Grothe Kiste,
Unnd S. Deetleff Roden Hornschap, Wat
nun belanget, dat der H. Pastor etzliche Gelde tho
Siner Ehefruwen Telßen Bruetwagen angewendet,
ock darup der Kramere[1] und sünsten dar „siner Erw:“ etwaß geköft
edder maken laten, eineß Jedern hant Unde beken=
teniße siner Erw: an sick genamen, So schall ock
solliches hirmit geraßeret [2] und gedödet sin, Solliches
alleß bi vorpandinge des H. Pastoren gesampten
 Güdere, ock Ehren truwen und guden Geloven
vestichlick tho holden, Urkuntlich under deß H.
Pastorenn Undergeschrevenen hant,
Datert denn 14 Augusti Anno 1613 

 



[1] kram(e) = Tuch, Krämerwaren. Lübben 187.

[2] ge-rasch ? = rasch. Lübben 117 ff.


debitor dd 2 ß
(Z)  Jacob Karstenß tho Vedderinge is wegen
Vormunderschop S. Karsten Gelßen Erven
schüldig geworden, Christoffen Rörern itzunt thor  Hilligen
Haven Organista Und Seattschriver[1]  – 250 M lübsch,
welckeß der Jacob Karstenß in guder ganckbarer Munte
tho sinen henden entfangen Unnd alsofordt, wegen Junge
Johan thor Schlichten Vor welckeren  S. Karsten Gelßen Erven
in Geloffte[2] stahn, ahn Clauß Guden[3] tho Renßborch
wedderümme bethalet,    Sollicheß up Michaeliß
erstkümstich mit der geborlichen Renthe thobethalen,
Soferne it averst lenger worde stan, schal alßdenne der
eine dem Andern 4 weken tho Vörne de Loeßkündigung
dohn.   Settet derowegen obgedachter debitor Vor solliche
Bethalinge thom gewißen Underpande sine gesampten
Güdere, benevenst Vorplichtinge eineß Inlagerß,
Der Junge Johan averst thor Schlichten Vorredet Unde
Vorplichtet sick Kraft dieseß, Sintemmal der uhtgegevene
Houvetbreeff [4] *up 750 M an Clauß guden tho Renßborch
ludende *, mit dißen obgedachten 250 M thom grun=
de bethalet wert, Dat derowegen densulvigen breeff
 der Jacob Karstenß, by sick schall beholden, Unnd na dem=
sulvigen sine Volle bethalinge sampt allen bewißlichen
Schadengelde wedderumme tho forderen bemechtiget sin,
Urkuntlich under erer beider Undergeschrevenen handen,
Datert denn 19 January Anno 1613.

Creditor dd 1 ß
(Z)  Widderickß Jebe tho Linden iß schuldich Spakerß Johan
Darsülvest 3 M, up Michaeliß erstkümstig tho berthalen,
Settet darvor tho Pande, 1 Schepelßaet landeß mit der fruchte
up Grüste [5]belegen, de Nabere Carstenß Hanß tho Linden
benorden, Und Jarren Carsten thom Berckenholm besüden tho,
Datsulvige Lant nicht na der Michaeliß tidt tho berören, ehr
Und bevohr diße 3 M sampt aller Unkostinge entrichtet,
Besündern it mach der Spakerß Johan sollicheß alßdan
antasten, Unnd gebruken bet he sine bethalinge wedder erlanget
Sekerer Gethüge Deetleff Wiberß Vam Westermohr
Datert den 20 January Anno 1613

 



[1] sate-schriver = der das satebok führt. Lübben 317.
[2] gelover = der für jemanden verspricht; Bürge. Lübben 115.
[3] Siehe: Jens Kirchhoff, 15.12.2013Stammreihe der Familie Gude zu RendsburgVon Georg Swart, Rendsburg (1931)
[4] hovet-brêf = das Hauptdokument; Original. Lübben 151.
[5] Grüfte ist ein alter Flurname in Linden. Wegemann 92.


(Z) Junge Johanß Karstenß  Clauß thom Berckenholm, iß schüldig
Hanß Karstenß tho Veddering 10 M min(us) 2 ß. Vor etzlichen Roggen
Unnd Haveren so he Van ehme bekamen, Up Michaeliß erst=
kümstich thobethalen, By Vorpandinge siner gesampten
Güdere, Ock Vorplichtinge eineß Inlagerß, Sekere
Gethügen Tgitten Marx Und Karstenß Deetleff
beide tho Henstede, Datert den 10 February Ao 1613.

Nademe Hinrich Junge tho Linden deß Eggerß Kruse Johanß
Süster Wobberich Vam Kleve, thor Ehe gehatt, welckere Vor dießem
in Gott Vorstorven, Und dan der Kruse Johan wegen siner Sü=
ster hindergelatenen Güdere, den Hinrich Jungen thobespreken
Vormeinet, Alß hefft wegen sollicher Ansprake, der
Hinrich Junge dem Eggers Kruse Johan entrichtet Unde bethalet
4 M 2 ß, Wormit also der Kruse Johan und sine Erven,
Van sodaner Erfschop gentzlich afgekofft sin und bliven,
Derowegen he dan ock vor sick und sine Erven, den Hinrich
Jungen Und sine Erven, Kraft dieses quiteret, Sekere Ge=
thügen Grote Clauß Jebe, Jarren Hanß beide thom Bercken=
hollm. Datert den 21 February Anno 1613. 

debitor: dd 2 ß
(Z) Karsten Groten Söne Johan tho Vedderinge, iß nevenst sinen
Süsteren Unde bröderen schüldich, Deetleff Karstenß darsül=
vest 20 M, Desülvigen up Michaeliß erstkümstich mit
eines Jares Renthe thobethalen, By Vorpandinge erer ge=
sampten Güdere, Sekere Gethügen Tgiten Marevß
tho Henstede, Unnd Peter Moller Van der Heide, Datert
denn 21 February Anno 1613

(Z)  Nademe S. Karsten Grothe tho Vedderinge, vor Offe
Peterß tho Henstede an Clauß Gelßen upm Westermohr,
ehrmalß Vor 10 M lübsch gelavet, Alße bekennet des S.
Karsten Grothen Medewe Grethe, Dat se hüden Dato de
benomeden 10 M, deß Offen Peters Shon Petern fry und
Erflich heft Vorehret, Und wil desülvigen van Stünden an up
sick nemen, Vor sick und ere Erven Vorrenten Unde bethalen, wen
it gefordert wert, Schal demna der Junge Peter Offe 



Sodane 10 M uht sines S.Vadern Crützhuse[1] forderen
Unnde manen, Idt heft sick averst de gemelte Grote
Karstenß Grethe Vorbeholden, dewile der Peter Offe
un willenß, sick buten Landes wedderümme thobegeven,
Dat derentwegen sine Süster Telße, in dem erwenten
Crützhuse, so lange ere frie waninge schal hebben mit erem
Manne,bethder broder Peter wedderümg uß lant wert
kamen, Ferner Vorredet sick der gedachte Grothe
Karstenß Grethe, Woferne der Junge Peter Offe mit
Dode werde afgahn, dat Alßdenne sine Süster Telße
Unnd ere Erven, Sodane 10 M uht dem obgemelten
Crützhüse frie scholen forderen Unde thogeneten hebbben,
Sekere Gethügen Tonnies Schnider Und Hanß
Deetleffs beide tho Henstede, Datert den 3 Marty
                                                               Ao[2] 1613

(Z) Junge Deetleff Lübbekenß tho Schwinhusen bekennet
Dat he Van den 40 M So Harderß Jebe darsülvest, Van
Clauß Gelßen upm Westermohr up Renthe bekamen, darvor
he der Deetleff Lübekenß gelavet, 32 M in redem
gelde entfangen, de he wil wedderümme bethalen, wen der
gedachter Clauß Gelßen  sodane gelt wedder tho Hueß for=
dert, Ock Jarlich so lange it up Renthe steit, ider marck
mit einem schillinge vortinßen, Unnd solliches by Vor=
pandinge siner gesampten Güdere, Ock Vorplichtinge
eineß Inlagerß. Urkuntlich under siner eigenen Under=
geschrevenen hant, Datert den 6 Marty Ao 613.
 

(ZZ)  Anno 1613 den 7 Marty hebben Wolt Karstenß Und Deet=
lef Carstenß tho Vedderinge einen Lantweßel geholden, Also dat
der Woelt Karstenß dem Deetlef Karstenß averlaten und thogeschlagen
ein stücke Landeß tho westen Im Reke belegen, de Naber Lange
Clauß Hanß bewesten, Darentiegen deit der Deetlef Carstenß
ehme wedderümme den halven Nedderkroch tho Osten im Reke,
unnd gifft ehme up sollichen weßell tho 15 M, so he albereit
bethalet bekamen siner Woelt Karstenß bekenteniße na,
Woferne averst deß Woelt Carstenß

 

[1] Krüzhuus = das durch einen seitlichen Anbau an das ursprüngliche niedersächsische Haus erweiterte Winkelhaus. Mensing III, 355.

[2] Ao mit einem Überstrich = Kontraktionszeichen, bedeutet, dass das Wort Anno verkürzt (kontrahiert) wurde.


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Quellen:

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